Absinthe und die Grüne Fee

Kaum ein alkoholisches Getränk hat in seiner Vergangenheit eine derart grosse Fülle an Mythen und Legenden hervorgebracht. Lange verpönt und verboten, ist es heute wieder als Kult-Getränk in aller Munde. Seit einigen Monaten habe ich die Gelegenheit, in der «Grüne Fee», der einzigen Absinthe Bar der Schweiz, zu arbeiten und konnte den Absinthe besser kennenlernen.

Der Ursprung

Viele Legenden ranken sich um die Entstehung des Absinths. Doch dank einem Beleg, vom Jahre 1737, eines Restaurants in Neuenburg, auf welchem; «21 Batzen für sieben Gläser frischer Wein mit Absinthe» verzeichnet ist, kann man behaupten, dass der Absinth wie wir ihn Heute kennen, um diese Zeit herum entstanden sein wird. Später, im Jahre 1777 tauchte ein «extra d’apessinte» auf einem Bankett in Neuenburg auf. Um diese Zeit kurierte die Geschichte, ein französischer Arzt flüchtete in das Val-de-Travers und habe zusammen mit einer Kräuterfrau das erste Rezept für den Absinth entwickelt, welches dann an Henri-Louis Pernod und Daniel-Henri Dubiet weitergegeben wurde. Allerdings gibt es einige Unklarheiten über diese Geschehnisse wie und wer mit diesem Rezept in Kontakt geraten ist.

Als eine der ersten professionelle Destillation, kann jedoch jene im Jahre 1797, in Couvet angesehen werden. Und nachdem die Herstellung im Val-de-Travers mehr und mehr an Aufschwung gewann, entwickelte sich die Absinthe-Produktion zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor des gesamten Tals.

«Whiskey und Bier sind für Idioten. Absinthe besitzt die Kraft der Magier; Absinthe kann die Bergangnheit ausloschen oder erneuern und die Zukunft annullieren oder voraussagen.»

Ernest Dowson 

Was macht den Absinthe so besonders?

Wermut

Sicherlich sind die enthaltenen Wermutkräuter sind von grosser Bedeutung. Obwohl sie nur ein Bestandteil der vielen anderen Inhaltsstoffe wie Melisse, Ysop, Anis, Fenchel, Koriander, usw. sind, machen die Wermutkräuter den Absinthe auf Grund der langen Geschichte des Wermuts interessant. Denn Wermut war schon vor langer langer Zeit als Heilkraut bekannt. Schon im antiken Griechenland war Wermut als ein solches bekannt. Sogar Pythagoras selbst soll die appetitanregenden und verdauungsfördernden Eigenschaften gekannt haben.

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Wermutkraut

 

 

 

 

In verschiedensten Epochen wurde Wermut in Fälle von Seekrankheiten zu Wurmerkrankungen bis hin zu Abtreibungen eingesetzt. Die wichtigsten medizinischen Einsetzgebiete waren:

  • Bauchschmerzen
  • Verdauungsprobleme
  • Gelbsucht
  • Würmer
  • Pilzvergiftungen
  • Menstruationsbeschwerden
  • Haarausfall

Ebenso ist seit dem Altertum bekannt, dass Wermut auch die Kreativität steigert.

Thujon

Ein weiterer spannender Inhalt ist der legendäre Wirkstoff Thujon. Dieser hat einen direkten Zusammenhang mit dem Wermutkräutern. Denn im Destillationsverfahren setzt Wermut dieses psychoaktives Nervengift frei. So kommt es, das Absinthe schon 1861 als «flüssiges Haschisch» bezeichnet wurde, denn Thujon soll die ähnlichen Bereiche des Gehirns wie THC beeinflussen.

Dieser Inhaltsstoff führ uns auch gleich zur Prohibition des Absinthes.

Der Weg zur Prohibition

Die Ausgangslage für das Verbot war das erstmals erkannte Alkoholproblem in Frankreich. Dadurch entstand eine Anti-Akoholbewegung welche Mitte des 18. Jahrhunderts immer mehr an Angerkennung auf Seite der Regierung erlang. Um die Jahrhundertwende, verlangte eine Medizinische Akademie auf Grund deren Gutachtungen, das Absinthe als Erstes zu verbieten sei.

Dadurch, das Absinthe billiger hergestellt werden konnte, wurde Absinthe zunehmend zu einem Schnaps für Arme und durch die vielen nicht professionellen Hersteller gelangen gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe in den Absinthe, was bis Heute zu dem schlechten ruf des Absinthes beiträgt.

Im Schweizer Abstimmungskampf bildete sich damals eine «Allianz» die gemeinsam gegen den Absinthe ankämpften. Zum einen waren das; die Anti-Alkoholbewegung (Blaues Kreuz), die kirchlichen Kreisen und die Weinlobby, aber ebenso sah die Regierung eine Möglichkeit, diese starken Gruppen zu befriedigen. Schlussendlich wurde in der Schweiz abgestimmt und am 7. Oktober 1910 trat das Verbot in Kraft.

Mit dem berühmten Plakat, stellte man die Szene dar, wie an diesem Tag die Grüne Fee erstochen wurde.

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Wiedereinführung des Absinthes

Viele Jahre war es ruhig um den «Grünen Topfen». Erst im Jahre 1998 begann in Europa der Absinthe wieder aufzuleben. Durch eine Einfuhr von Richtlinien die bestimmten, dass der zulässige Thujongehalt max. 35mg/kg sein darf, wurde die Absinthe Herstellung mehr und mehr wieder aufgenommen.

Um einer Qualitätssicherung wegen, kümmerte man sich erst im Jahre 2002 um die Absinthe-Legalisierung. Diese wurde am 1.März 2005 von der gesamten Kammer angenommen.

Die «Grüne Fee» in Solothurn

Seit 2005, der Legalisierung des Absinthes gibt es auch die «Grüne Fee», eine Absinthe-Bar, mitten in der Altstadt Solothurns. Dort gibt es beinahe dreissig verschiedene Absinthes zu entdecken, die mit einer einzigen Ausnahme, alle aus dem traditionellen Herstellungsort, dem Val-de-Travers stammen.

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Alles stimmt in dieser Bar mit dem Mythos des Absinthes überein. Von der gesamten Einrichtung, historische Absinthe-Plakate bis hin zum Hosenträger. Wo Absinthe trinken, wenn nicht in dieser Bar.

Trinkrituale

In der «Grüne Fee» kann der Absinthe nach traditionellem Ritual getrunken werden. Dazu gibt es folgendes notwendiges Material.

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v.l.n.r: Fontaine, Absinthe-Glas, Gläschen für Absinthe-Löffel, Absinthe-Löffel, Zucker.

In der Absinthe-Bar kann man den Absinthe auf drei verschiedenen Varianten/Traditionen trinken. Alle drei setzten ein Absinthe-Glas voraus, in das man ca. 2cl Absinthe einfüllt. Bei der schweizerischen Trinktradition füllt man danach nur noch tröpfchenweise kaltes Wasser von der Fontaine in den Absinthe dazu, bis es für sein persönliches Empfinden das perfekte Mischverhältnis hat. Dabei sollte das Wasser mit Einswürfel angemacht sein, um einen optimales Aroma des Absinthes zu erreichen. Ein direkter Kontakt von Absinthe und Eis sollte vermeiden werden, weil das die Kräuterextrakte beschädigen würde.

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Ein anderes, ebenso geläufiges Ritual, ist das beifügen eines Zuckerwürfels. Diesen taucht man in den eingefüllten Absinthe ein und legt ihn nachträglich auf den Absinthe-Löffel und lässt schliesslich das Wasser über den Zuckerwürfel tröpfeln bis sich dieser vollständig aufgelöst hat.

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Dadurch das viele der schweizerischen Absinthes aber schon von sich aus einen süsslichen Geschmack mitbringen, ist das für den Kenner natürlich ein Tabu. Denn wie wir das auch beim Café kennen, zerstört der Zucker das wertvolle Aroma. Bei der dritten Variante, entflammt man noch zusätzlich den eingetauchten Zuckerwürfel und lässt den Zucker karamellisiert in den Absinthe tropfen. Doch diese Trinkweise ist nach traditioneller Weise nicht mehr als Show und hat ihren Ursprung von der ehemaligen Tschechoslowakei.

 

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Die «Grüne Fee» im Herzen von Solothurn bietet also den idealen Ort, das geheimnisvolle Getränk kennen zu lernen und um einen Einblick in die unglaubliche Vielfalt von Absinthe zu erhalten.

Ich hoffe ich konnte euch das Kulturgetränk etwas näher bringen und euch schmackhaft machen. Natürlich würde ich mich freuen wenn ich einige von euch überzeugen konnte die einzigartige Bar zu besuchen. Das ganze Team wird euch, falls sie Interesse haben, in der «Grüne Fee» mit Freuden bedienen und euch bei der Wahl eures Absinthes leidenschaftlich beraten.

 

Weitere Infos auf:

www.diegruenefee.ch

www.absinthedistribution.ch

 

Quellenangaben

Geschichtliches und Rituale:

«Absinthe – die Wiederkehr der Grünen Fee», 2006, Nachtschattenverlag, Mathias Bröckers, Chris Heidrich, Roger Liggenstorfer.

http://de.wikipedia.org/wiki/Absinth

Bildverzeichniss

Wermut: http://de.wikipedia.org/wiki/Wermutkraut#/media/File:Artemisia_absinthium_-_Köhler–s_Medizinal-Pflanzen-164.jpg

Plakat: http://www.absinthes.net/eur_abs_de/entdecken/absinthe/geschichte.html