«ALLES ÜBER EINS»

Fast alle ABMler mehr oder weniger an ihrem Platz. Unser Mathelehrer stand vor uns, verschmitzt lächelnd mit dem Stapel Prüfungen in der Hand.

Therme, Gleichungen, Binome und sonstiges Formelzeug verstehe ich ungefähr gleich gut wie zufällig zusammengewürfelte ägyptische Hieroglyphen. Ich bin , leider, eine absolute Niete in Mathematik. Da ist nichts zu machen. Wie ein Elefant auf dem Porzellan der Grossmutter herumtrampelt mache ich es mit den Zahlen. Zusätzlich bin ich gesegnet mit einem mathematischen Kurzzeitgedächtnis. Was zur Folge hat, dass ich in jeder Mathelektion wieder beim Urknall beginnen muss. Bis ich alles von vorne wieder aufgerollt habe und dann theoretisch eine Aufgabe lösen könnte, wie meine ABM-Freunde zwischenzeitlich schon 50 der solchen gelöst haben, ist der Unterricht schon lange vorbei.

Es war der erste Dezember. Zitternd sass ich auf meinem Platz der Prüfungsbogen vor mir auf dem Tisch. In Gedanken spielte Pink Floyd «High Hopes» für mich. An Lösungswegideen mangelt es keines Falls. Nein, ich habe immer hunderte von genialen Einfällen um etwas mit den Aufgaben anzustellen. Aber genau das wird mir leider immer wieder zum Verhängnis. Mathelehrer und ich, das ist so eine Sache. Unterschiedlicher gestrickt kann man nicht sein. Sie beharren steif und überzeugt auf alten Formeln — Ich immer wieder voller neuer Ideen euphorisch auf die individuelle Freiheit, sich nicht festzulegen und nicht steif auf altem Zeug verharrend. Meine sprudelnden Fantasien werden auf meiner Prüfung festgehalten. Am Ende mit rotem, dampfendem Kopf dem Lehrer überreicht, mit der Hoffnung dass sich nun sein Horizont soweit erweitert hat, dass er meine Theorien verstehen kann.

«Along the Long Road and on down the Causeway.
Do they still meet there by the Cut?» Pink Floyd

In seinem müden lächeln widerspiegelt sich seine Demotivation meine algebraischen Erfindungen zu korrigieren.

Und wieder einmal stehe ich meine Kunst der theoretischen Erfindung.