Body-Modification

Ich möchte Sie in die Welt der Body-Modification entführen, eine Welt so schön wie schmerzhaft.
Ich habe mich für dieses Thema entschieden, weil Body-Modifications, meist in Form von Piercings und Tattoos, momentan sehr am boomen sind und vor allem unsere Generation ansprechen. Ich selbst besitze auch kleinere bis grössere Modifications, was wohl auch ein Grund dafür ist, dass mich dieses Thema sehr interessiert.

Definition von Body-Modification

Body-Modification ist ein englischer Überbegriff für Körperkunst und die permanente Veränderung am Körper durch meist sehr schmerzhafte Eingriffe. Unter Narkose durchgeführte Brustimplantate, Liftings oder andere Korrekturen am Körper werden meist nicht mit dem Begriff Body-Modifications in Bezug gebracht, weil diese zur Chirurgie gehören.
Mit Body-Modifications sind meist nicht medizinische, nicht von Ärzten durchgeführte Eingriffe, wie Tattoos, Piercings, Cuttings, Implantate, Brandings und weitere Arten gemeint.

Die wohl zwei bekanntesten Formen sind das Piercing und das Tattoo. Darüber hinaus gibt es aber noch unzählige andere Arten seinen Körper dauerhaft zu schmücken, welche erst seit kürzerer Zeit in den westlichen Ländern Anklang gefunden haben und ausgeübt werden.

 

Die Verschiedenen Formen und Arten

Da es unzählige bekannte und weniger bekannte Modifications gibt, stelle ich die im Moment gefragtesten und am meisten ausgeübten Formen vor.

 

Piercing

Beschreibung:

Unter Piercen versteht man das Durchstechen von Körperteilen mit Hilfe von Nadeln und das anschliessende Einsetzen von Schmuck. Der Schmerz beim Stechen ist je nach Empfindlichkeit der Person und Stelle variabel.

Eine weitere bekannte Art des Piercens, ist, sich das Piercing schiessen zu lassen. Dies ist aber nicht empfehlenswert, weil dadurch das Gewebe nicht mit einem Schnitt durchstochen wird, sondern die Haut auf die Seite gestossen wird und nachtägliche Komplikationen bewirken kann. Es können aber auch Krankheiten wie Hepatitis oder HIV übertragen werden, weil die Pistole nicht zu 100% sterilisiert werden kann; dies ist jedoch nur sehr selten der Fall.

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 Tattoo

Beschreibung:

Der Vorgang des Tätowierens besteht aus dem Durchstechen der Haut mit einer oder mehreren Nadeln. Beim Einstechen der Nadel in die Haut wird gleichzeitig ein Farbstoff in die Haut eingearbeitet, welcher auf die Nadel aufgebracht wurde.

Beim Tätowieren wird die Epidermis «die Oberhaut» durchstochen und die Farbpartikel in die darunterliegende Cutis «die Lederhaut» und Subcutis «die Unterhaut» gebracht. Dabei ist darauf zu achten, dass die Stiche nicht zu oberflächlich, aber auch nicht zu tief sind, weil sonst die Farbpartikel schneller wieder vom Körper abgestossen werden.

Die im Westen gebräuchlichste Methode ist das Arbeiten mit einer elektrischen Tätowiermaschine. Es wird mit Hilfe zweier Spulen ein Magnetfeld erzeugt, welches die Nadeln schnell vor- und zurück bewegen lässt. Eine weitere Tätowiermaschine arbeitet mit einem Elektromotor.
Der Ablauf des Prozesses sieht meist gleich aus. Zu Beginn werden die Umrisse – sogenannte Outlines – mit einer dünnen Nadel in schwarzer Farbe gestochen. In einem zweiten Schritt wird die Nadel dann mit Farbe gefüllt. Zum Füllen werden je nach Feinheit der Muster Nadeln unterschiedlicher Dicke und Anzahl verwendet.

Es gibt ausserdem noch Tätowierer, welche die Tätowierungen traditionell von Hand anfertigen.  Diese Methode erfordert viel Erfahrung um saubere Linien, gleichmäßige Flächen und schöne Farbverläufe von Hand zu stechen.

Arten:

Bei den Tattoos gibt es etliche verschiedene Stilrichtungen. Für die Zuordnung ist die Art der Darstellung sowie die Tätowiertechnik zu beachten. Des Weiteren ist der Zeitpunkt der Entstehung des Stils sowie die Kultur, aus der der Tattoo Stil stammt, bedeutend. Eine Stilrichtung muss verschiedene Kriterien erfüllen oder mehrere Kriterien zu einer Einheit vereinen.

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Cutting

Beschreibung:

Unter Cuttings versteht man Ziernarben, die in die Haut geschnitten werden. Dies hat eine lange Tradition bei verschiedenen Stämmen in Nordamerika, Afrika und Asien.
Bei einem einfachen Cutting werden mit einem Skalpell Schnitte in die Haut gemacht. Bei einem  «Skin removal» wird eine Fläche mit dem Skalpell umfahren und die Haut anschliessend abgezogen. Meist wird zuerst das gewünschte Motiv auf die Haut gezeichnet. Anschliessend versucht der Cutter mit einem Skalpell den Linien möglichst gerade und immer gleich tief zu folgen. Dabei werden mehrere Klingen gebraucht, weil diese schnell sehr stumpf werden. Das austretende Blut wird immer wieder abgeputzt, um eine freie Sicht auf die Linien zu haben. Ist das Cutting fertig, wird dem Kunden je nach gewünschtem Resultat «flache Narbe oder erhobene Narbe» und je nach Stelle eine Anleitung zur Nachpflege gegeben. Zum Beispiel sollte man die Wunde bis zu 3 Mal täglich mit Essig einreiben, damit eine schöne Narbenbildung erfolgt.

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Branding

Beschreibung:

Unter dem Begriff Branding findet man mehrere Angaben, aber grundsätzlich stammt der Begriff aus der Viehzucht. Die Tiere wurden durch ein Brandmal gekennzeichnet, damit die Besitzer ihre Tiere auseinanderhalten konnten.
Bei Brandings als Form von Körperkunst unterscheidet man zwischen den zwei bekanntesten Varianten. Die am meist verbreitete Variante ist der Heissbrand. Dabei wird ein Eisen erhitzt und auf die Haut gedrückt.
Weniger bekannt ist der Kaltbrand, wobei ein Eisen, nicht erhitzt sondern in flüssigem Stickstoff auf minus 80° C herunter gekühlt und auf die Haut gedrückt wird.
Beim Branding wird das gewünschte Motiv meistens mit mehreren kleineren Eisenteilen nachgeformt.
Meist wird Gas als Brennstoff verwendet, welches die Flamme nahezu frei von Russ und sonstigen Rückstände macht.

Ebenfalls am aufkommen sind so genannte Cautery Pens, dass sind Batterie betriebene Brenneisen die aussehen wie ein Kugelschreiben, der vordere Teil wird Heiss und man kann damit Muster auf die Haut brennen. Man rät jedoch von dieser Anwendung ab, da weder die Batterie noch das Gerät die nötige Kraft aufbringen können um wirklich ein Vergleichbares Resultat zu einem herkömmlichen Branding zu erreichen.

Nicht jede Körperstelle ist für ein Branding geeignet. Es ist wichtig, dass Stellen, die unter denen Sehnen, Gefässe oder Gelenke verlaufen, nicht gebrandet werden. Geeignet sind Körperstellen, unter denen sich Muskel- und Bindegewebe befinden, zum Beispiel Oberschenkel, Po und Oberarme.

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Subdermale Implantate

Beschreibung:

Hierbei handelt es sich um Implantate, welche sich vollständig unter der Haut befinden, um so die äussere Struktur des Körpers optisch zu verändern. Es ist eine relativ neue Form der Body-Modification.

Meist wird dazu eine lokale Betäubung durchgeführt. Mit einem Skalpell wird ein Schnitt in die Haut gemacht. Dieser muss nicht zwingend unmittelbar bei der gewünschten Implantatsposition sein, sondern wird meist so gewählt, dass er nicht negativ auffällt. Anschliessend wird mit sogenannten Dermal-Elevatoren, welche extra für diesen Zweck hergestellt werden, eine Hauttasche geschaffen. Das Implantat wird in die geschaffene Tasche eingeführt, und die Wunde zugenäht.

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Transdermale Implantate

Beschreibung:

Transdermals bestehen meist aus einer Grundplatte und einem darauf stehenden Stab mit Innengewinde. Die Grundplatte dient dabei als Anker unter der Haut, nur der Stab steht aus der Haut. Auf das Gewinde können nach der Abheilung verschiedene Schmuckstücke, wie Spitzen oder Kügelchen geschraubt werden.

Es wird ein Schnitt in die Haut gemacht und mit Dermal-Elevatoren eine Tasche geformt, wie bei den meisten Implantaten. Danach wird mit einem Biopsie-Punch das Loch für den Stab herausgeschnitten und das Implantat eingesetzt. Damit es bei der ersten Schwellung nicht in die Haut einsinkt, wird ein Aufsatz aufgeschraubt. Anschliessend wird der Schnitt zugenäht.

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Splitting «Zungenspaltung»

Splitting ist das Teilen verschiedener Körperteile. Da die Zungenspaltung am populärsten ist stellen ich diese Art genauer vor.

Beschreibung:

Bei einer Zungenspaltung wird die Zunge entlang der Mittellinie gespalten.Es gibt viele verschiedene Varianten um die Zunge zu spalten. Die Verbreiteste ist das Schneiden mit einem Skalpell. Danach werden entweder mit Hitze oder mit Nadel und Faden die beiden Wunden verschlossen, um ein Zusammenwachsen zu verhindern.Es gibt auch Personen die den Eingriff mit einer Schere vornehmen, was aber eher einen schlechten Ruf hat. Das Beste ist, wenn man einen Zahnarzt findet, der den Schnitt mit seinem Laser durchführt.

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Psychischer Aspekt

Body-Modification wurde zum Szenenwort für zahlreiche Praktiken wie Tätowierungen, Piercings, Brandings, Scarifications, Implants oder Amputationen. Doch keine dieser Techniken ist neu. Sie finden sich schon bei den alten Hochkulturen in allen Ländern der Welt. Wäre Körpermodifikation tatsächlich eine psychische Störung, wie bis vor wenigen Jahren angenommen wurde, würde es sich demzufolge um eine der ältesten Krankheiten der Menschheit handeln. Body- Modifications sind aber in den meisten Fällen weder Ausdruck noch Symptom einer psychischen Erkrankung.
Besonders im Vergleich mit selbstverletzendem Verhalten finden sich zwar Gemeinsamkeiten, aber auch zahlreiche Unterschiede. Body-Modification wird nicht als Selbstzerstörung, sondern vielmehr als Selbstverschönerung, Selbstentfaltung und teilweise gar als Selbsttherapie verstanden, die es unter anderem ermöglicht, in einer digitalisierten Welt Körper und Seele wieder als Einheit zu erfahren.

 

Kulturelles

Es gibt keine genauen Anhaltspunkte wann und wo man damit angefangen hat seinen Körper zu modifizieren. Es wird angenommen, dass die verschiedenen Regionen unabhängig voneinander damit begonnen haben. Meist wurden die Modifications aus rituellen Gründen durchgeführt, oder sie standen als Symbol der Zugehörigkeit zu einem Stamm oder einer anderen Gruppierung. Ich habe einige dieser Modifications zusammengefasst, welche zum Teil auch heute noch ausgeführt werden.

 

Gesetzliche Aspekte

Auch in diesem Bereich gibt es gesetzliche Regelungen, die eingehalten werden müssen, da es einen Eingriff in unsere körperliche Integrität darstellt, welcher Infektionen, Allergien oder Ansteckungen gewisser Krankheiten zur Folge haben können. Es gibt in der Schweiz keine rechtlichen Bestimmungen, welche die Berufe Tätowierer und Piercer betreffen.Tätowieren und piercen sind leichte Körperverletzungen gemäss StGB Art.123 Ziff. 1 Abs.1

In den meisten Fällen bereuen die Betroffenen den Entscheid des Motivs nicht, sondern sind von der Qualität enttäuscht. Dies ist meist auf die ungenaue und übereilige Auswahl des Studios zurückzuführen.
In diesem Falle wird jedoch geraten das Geld, das für die Gerichtskosten ausgegeben wird, besser für die Überarbeitung des misslungenen Tattoos in einem seriösen Studio zu investieren. Spaltungen oder Amputationen gehören zu den schweren Verletzungen gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB.

Weil der Künstler sowie der Kunde sich dabei in einer rechtlichen Grauzone befinden, wird zum Schutz in den meisten Studios vor dem Eingriff eine Einverständniserklärung abgelegt.
Jedoch bleibt die Frage offen, ob in ein solches Delikt eingewilligt werden kann. Dies ist auch ein Grund dafür, weshalb diese Arten in der Schweiz eher selten anzutreffen sind.

Um sich solchen Eingriffen unterziehen zu können, muss man urteilsfähig sein, wobei die schweizerische Rechtsordnung keine feste Altersgrenze vorsieht. Aus diesem Grund wird meist bei nicht Volljährigen Personen eine Einwilligung des gesetzlichen Vertreters verlangt. In einigen Piercingstudios wird in diesem Fall sogar die Anwesenheit der Erziehungsberechtigten vorausgesetzt, wobei Intimpiercings bei Minderjährigen generell nicht durchgeführt werden.

 

Selbsterfahrung

Die meisten Personen sind sehr erstaunt, wenn sie feststellen, dass ich mehrere Tattoos und Piercings besitze, da ich diese nicht zur Schau stelle.

Aber es ist erstaunlich, wie man aus der Menge hervorsticht und beobachtet wird, wenn man die Modifications offen zeigt.
Zum Beispiel ist mir im Zug schon mehrmals aufgefallen, dass über meine Tattoos oder Piercing gesprochen wird «positiv wie auch negativ». Fragen über meine Tattoos waren schon mehrmals der Anfang einer spontanen Unterhaltung mit einer mir fremden Person.

Da ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe, verdecke ich meine Modifications oft.Mir wurde schon vielfach gesagt, dass Tattoos und Piercing nur ein Modetrend ist. Ich hingegen finde, dass die Modifications das Wesen einer Person wiederspiegeln und dass man Jeden das machen lassen soll, was ihm gefällt.

 

Schlusswort

Im kulturellen Aspekt gehen die Bedeutungen der Modifications sehr auseinander. Sie können das Individuum auf positive und negative Weise stark beeinflussen. Mal stehen sie für den Stand oder die Herkunft des Trägers, mal dienen sie ganz einfach nur dazu ein Schönheitsideal zu erreichen. Für gewisse Stämme oder Kulturen, wie zum Beispiel in Afrika, gilt: Je mehr, desto besser. In Japan allerdings versetzen die Tattoos die Menschen in Angst und Schrecken.
Die Modifications beeinflussen also auch sehr stark die Identität des Einzelnen. Wer auffällige Modifications hat wird öfters anders behandelt. Dies kann von einfachen Ausgrenzungen aus sozialen Gruppierungen bis zu Jobs, die man wegen den Modifications nicht ausüben kann, reichen. Allerdings hat sich dies in den letzten Jahren auch stark verändert. Zumindest weniger auffällige Körperveränderungen wie Tattoos und Piercings wurden vielerorts akzeptiert und sind kein Tabu mehr. Sie werden heute dazu genutzt um ein Statement abzugeben, um seinen Charakter widerzuspiegeln oder was einem von grosser Bedeutung ist. Es lässt sich also sagen das Body-Modifications den gesellschaftlichen Stand des Trägers beeinflussen. Ob sie einen guten oder schlechten Einfluss haben ist aber von den Sitten und der Kultur des jeweiligen Gebietes abhängig.

 

 

Quellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Body-Modification

http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/uebersicht/die-body-modification-szene-kaempft-fuer-ihr-image-1.17661116

Weitere Bilder
https://www.google.ch/search?q=extreme+body+modification&client=safari&sa=X&rls=en&biw=1172&bih=770&tbm=isch&tbo=u&source=univ&ei=IDKLVKagBoquU7CrgaAD&ved=0CB8QsAQ

 

alisha.poch@gmx.ch'

Alisha

Bekleidungsgestalterin GBM 2014

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Ein Gedanke zu „Body-Modification“

  1. Liebe Alisha,
    Dein Blog war wirklich interessant zu lesen. Ich selbst habe auch ein paar Body-Modifications, jedoch wurde ich persönlich noch nie drauf angesprochen (ausser von der Familie).
    Von ein paar Dingen, die hier stehen habe ich noch nie etwas gehört, wie das Cutting oder das Branding. Ich könnte mir nicht vorstellen so etwas zu machen. Aber ich verurteile es auch nicht.
    Früher waren es die Seemänner die dafür bekannt waren, sich ihre Lebensgeschichte aufzumalen, in Form von Tatoos.
    Ich finde den Gedanken schön, die Geschichte auf irgend eine Art festzuhalten. Es formt Individuen, welche sich nicht nur vom Charakter unterscheiden, sondern auch vom Körper.
    Körper die Geschichten erzählen.

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