Brauchen wir Milch?

Die Nutztierhaltung ist für 14.5 % der weltweiten Emissionen verantwortlich, darunter auch Milchkühe. Zudem ist die industrielle Tierhaltung sehr grausam. Aber was können wir als «normale» Menschen dagegen tun?

Milch ist zwar für den Menschen nicht ungesund, aber auch nicht lebensnotwendig. So wäre es tatsächlich möglich, unseren Milch- und Milchprodukte-Konsum zu reduzieren, denn wenn die Nachfrage sinkt, muss zwangsläufig auch das Angebot sinken.
Mehr zum Milchproblem

Beliebte Milch alternativen kommen von Nüssen und Getreide. Man ist dabei, eine künstliche Milch aus dem Labor zu entwickeln, die aufgebaut ist, wie die Milch die wir kennen.

Aber, dann fehlt doch was?

Milch ist eine natürliche Energiebombe. Sie enthält Vitamine, darunter auch Vitamin B12 und Kalzium, doch was viele nicht wissen ist, dass der Mensch nur eine bestimmte Menge an Kalzium aufnehmen kann und den Rest wieder ausscheidet.

Der Mensch kann seinen Kalziumbedarf also locker mit pflanzlichen Milch-Alternativen und einer ausgewogenen Ernährung decken.
Beispielsweise weisen Sojamilch, grünes Gemüse und Nüsse einen mehr oder weniger hohen Kalzium-Anteil auf.

Vitamin B12 ist zwar in keinem alternativen Milch-Drink enthalten, jedoch kann auch dies mit einer ausgewogenen Ernährung ausgeglichen werden.

Doch welche Alternativen gibt es und welche könnten in der Zukunft noch auftauchen? Wir haben recherchiert:

Starten wir mit der Sojamilch

Wahrscheinlich eine der besten Alternativen zur Kuhmilch, ist die Sojamilch. Tatsächlich, weist sie sogar einen höheren Vitaminpegel auf, als tierische Milch und enthält einen ungefähr gleichen Eiweissanteil. Es ist zwar umständlich Sojamilch selbst herzustellen, sie ist jedoch in fast jedem Laden erhältlich.

Unter den vielen Vitaminen ist das Vitamin B12 nicht vertreten, aber Sojamilch wird häufig damit angereichert.

Aber, Soja ist doch auch Klimaschädlich!

Soja ist zwar nicht CO2 neutral, wenn man die Werte aber nüchtern vergleicht, kann man feststellen, dass selbst importiertes Soja aus Südamerika, klimafreundlicher ist als die Kuhmilch aus dem Nachbarland.

Ausserdem ist zu beachten, dass 80 % des importierten Soja’s, als Kraftfutter in der Milchindustrie eingesetzt wird.

Eine weitere Alternative: Reismilch

Der Reis-Drink enthält zwar deutlich weniger Energie als andere Milch-Alternativen, sie ist jedoch Glutenfrei und deshalb ein wunderbarer pflanzlicher Milchersatz für Menschen mit Allergien oder Zöliakie.

Auch Reismilch ist in den meisten Läden erhältlich und man kann sie sogar selbst herstellen, hier das passende Reismilch-Rezept.

Die Mandelmilch

Mandelmilch ist alles andere als Nachhaltig, trotzdem führen wir sie als Alternative auf. Mandelmilch ist, wie der Reis-Drink, Glutenfrei und eine tolle Alternative für Menschen mit Gluten- oder Soja-Intoleranz.

Weshalb ist die Mandelmilch nicht Nachhaltig?

In Europa essen und verarbeiten wir oft Mandeln aus dem italienischen Inselraum, doch dort führen die Monokulturen und der Wasserverbrauch zu grossen Umweltschäden.

Um eine einzige Mandel «herzustellen» werden c.a. 4 Liter Wasser benötigt. Mandeln werden vor allem in ohnehin schon trockenen Gebieten angebaut.

Die Hafermilch

Hafermilch ist reich an Ballaststoffen, enthält keine Laktose, keine Milcheiweisse und keine Soja-Bestandteile. Ebenfalls ist sie Cholesterin frei und weist einen allgemein hohen Nährwert auf.

Es soll sogar helfen die Verdauung regulieren zu können. Hafermilch ist meist im Migros oder Coop zu finden, man sollte sich aber zwingend auf das Biosiegel achten.

Hafermilch ist sehr nachhaltig!

Hafer ist ein sehr pflegeleichtes Korn und kann hier in Europa fast überall angepflanzt werden. Man sollte sich beim Kauf allerdings achten, woher die Hafermilch stammt.

In der Schweiz wird auch Hafermilch verkauft, die aus Deutschland oder Schweden importiert wurde. Der weite Transportweg zerstört die gute Emissionsbilanz der Hafermilch.

Am besten ist es natürlich immer noch, wenn man sie selbst macht. Hier gehts zum Hafermilch-Rezept.

Der wahre Power-Drink: Hanfmilch!

Hanfmilch wird aus den Samen der Hanfpflanze hergestellt. Die Hanfsamen sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren und Gamma-Linolensäuren. Ebenfalls ist die Hanfmilch reichhaltig an Kalium, Magnesium und Aminosäuren.

Foto von Joshua Lanzarini

Leider hat die Hanfpflanze immer noch einen schlechten Ruf und die nachhaltige Hanfindustrie leidet unter Vorurteilen. In der Schweiz findet man kaum Hanfmilch und das, obwohl in der Schweiz sehr viel Nutzhanf angepflanzt wird.

Wichtig: Hanfmilch wird nur aus den Samen des Nutzhanfs hergestellt und diese enthalten kein THC. Wer selbst Hanfmilch machen will: Hanfmilch-Rezept.

Punkto Nachhaltigkeit kann der Hanf-Drink ebenfalls punkten. Er kann so ziemlich überall in der Schweiz angebaut werden und lässt sich leicht pflegen. Die Hanfpflanze ist sehr resistent gegenüber Schädlingen und so muss bei ihrem Anbau so gut wie keine Pestizide angewendet werden.

Der Blick in die Zukunft: Labormilch

Pflanzliche Alternativen, schön und gut, aber Käse und Joghurt kann man aus denen trotzdem nicht herstellen. Zwar gibt es vegane Frischkäse- und Schmelzkäse-Alternativen, aber die sollen nicht so gut schmecken, wie die tierischen.

Foto von Debby Hudson

Die beiden wichtigsten Bauteile, die man braucht, um eine künstliche Milch herzustellen sind Casein und Molke-Protein. Es gibt schon mehrere Start-up’s, die es sich zur Aufgabe gemacht haben einen künstlichen Milchersatz aus dem Labor herzustellen und sie scheinen auf gutem Weg zu sein.

Köstlich schmelzendes Raclette, ohne Tierleid, liegt in greifbarer Nähe!

Wissenschaftler und Unternehmer haben herausgefunden, wie man die Bausteine für Milch künstlich herstellen kann und sind nun an der Entwicklung von Produkten mit künstlichen tierischen fetten.

Die im Jahr 2018 gegründete, amerikanische Firma
«New Culture» konzentriert sich auf die Produktion von Casein und stellt mittlerweile sogar Mozzarella her.

« Die Firma hat bereits Blindtests durchgeführt, um zu überprüfen, ob man einen Unterschied schmeckt zwischen konventionell hergestelltem Mozzarella und dem aus dem Labor. Es gab wirklich positive Ergebnisse »

Wirtschaftswoche

Der Labor-Mozzarella wird frühstens 2022 in Massenproduktion gehen. Aus der Labor-Milch kann voraussichtlich jedes Milch-Produkt hergestellt werden.

Das Wort zum Schluss

Mit diesem Artikel fordern wir niemanden auf, vollkommen auf Milch- oder Milchprodukte zu verzichten. Wir wollen lediglich darauf aufmerksam machen, dass Milch nicht unersetzlich ist.

Wichtig ist uns vor allem, dass ihr den Alternativen eine Chance gibt und beim Labor-Käse zugreift, wenn er dann erhältlich ist.

Zur Quellenangabe

Autoren: Selva Meyer, Lea Schenker

6 Gedanken zu „Brauchen wir Milch?“

  1. Liebes Team

    Ich finde euer Thema sehr gut gewählt. Viele Menschen sind sich der Umweltschädigung durch die Produktion von alltäglichen Milchprodukten sicherlich nicht bewusst.

    Was mir vor Allem sehr gefallen hat, sind die vielen verschiedenen Alternativen, die ihr so ausführlich aufzeigt. Ich bin mir sicher, dass jeder eine für sich passende Alternative finden würde. Auch die Wortwahl ist sehr verständlich gewählt. Für mich persönlich waren manche Begriffe (z.B Casein) neu, aber trotzdem konnte ich den Text gut verstehen. Der Text ist sehr informativ und spannend formuliert und man ist nachher mit Sicherheit ein wenig schlauer über alternativen Produkten zu tierischer Milch.

    Mich persönlich habt ihr mit eurem Artikel überzeugt. Ich möchte nun mit diesem Wissen bewusst versuchen auf Milch zu verzichten oder zumindest meinen Milchkonsum zu reduzieren.

    Freundliche Grüsse

  2. Liebes Team
    Erst einmal vielen Dank für diese beiden sehr informativen Artikel. Ich fand es sehr spannen diese zu lesen. Währen des Lesens haben sich mir ein, zwei Fragen gestellt, welche jedoch weiter unten im Text gleich wieder beantwortet wurden.
    In euren Texten und in eurer Wortwahl merkt man gut, dass Ihr Euch eingehend mit dem Thema auseinander gesetzt habt und dies ein Thema ist, welches euch auch persönlich beschäftigt. Ihr wisst von was Ihr schreibt.
    Besonders loben möchte ich die Fotografien und vor allem diese sehr einfallsreichen Visualisierungen. Obwohl man bei der Doggi-Milch vielleicht zuerst schmunzeln muss, regt diese im Nachhinein sehr zum Nachdenken an. Ich finde es ausserdem lobenswert, dass Ihr so viele Kuhmilch Alternativen erwähnt habt. Nämlich nicht nur die guten Alternativen, sondern auch die umwelttechnisch eher schwierigen. So weis der Leser nun welche Alternativen zu bevorzugen sind. Ich bin selber schon lange kein Milchtrinker mehr. Auch wenn dies bei mir in einem Alter begann, als ich mich noch nicht mit der Umwelt auseinander setzte. Doch was mich bestimmt auch betrifft ist alles rund ums Thema Käse. Deswegen finde ich gut, das Ihr auch verarbeitete Produkte in euren Inhalt aufgenommen habt und nicht nur die Milch an sich. Auf diesen alternativen Käse aus dem Labor bin ich schon sehr gespannt.
    Besten Dank für diese tolle Arbeit.

  3. Liebe Selva, liebe Lea

    Ihr habt mit eurem Beitrag deutlich darauf hingewiesen, dass die tierische Milch giftig für die Umwelt ist. Ich muss zugeben, dass ich vor einigen Stunden im Zug noch eine heisse Schokolade mit Milch getrunken habe. Nachdem ich nun die beiden Artikel aufmerksam gelesen habe, plagen mich Gewissensbisse. Ich kann euch nur zustimmen, dass die Milch nicht unentbehrlich ist. Trotz der vielen Alternativen greifen viele noch zur herkömmlichen Milch, da sie besser schmecken soll. Bevor ich darüber urteile, werde ich nun die Alternativen ausprobieren oder zumindest meinen Milchbedarf beim regionalen Bauern decken. Ausserdem bin ich gespannt auf den Labor-Käse, voraussichtlich werde ich dann auf solchen umsteigen.

    Ihr habt ausdrucksstarke Fotografien und hilfreiche Visualisierungen eingesetzt. Zudem habt ihr Informationen geschickt vermittelt und den Leser mitgerissen. Alle Fragen, die während dem Lesen aufgekommen sind, konntet ihr mir laufend beantworten. Eine gute Arbeit!

    Freundliche Grüsse

  4. Liebe Selva, liebe Lea,
    Euer Artikel lädt schon auf den ersten Blick zum Lesen ein und verliert auch mit dem Lesen nicht an Spannung. So haben mich besonders die Fakten, welche aufzeigen wie viel Wasser verbraucht wird, um Milch herzustellen, sehr fasziniert. Ich fand auch sehr spannend das ihr zu den verschiedenen Milchsorten nicht nur gutes aufgezählt habt, sondern die Realität wiederspiegelt.
    Mich hätte allerdings noch interessiert ob auch der CO2 Ausstoss der Milchkühe ein Problem ist oder nur der Wasserverbrauch.
    Auch die Fotos und Grafiken in euren Artikeln wirken sehr ansprechend und sind passend platziert.

  5. Liebe Milchfrauen

    Ihr habt ein tolles Endprodukt zu Stande gebracht! Mein Gesamteindruck ist sehr positiv. Es wurden viele Fragen aufgeworfen, welche meist ausführlich, zum Teil etwas knapp beantwortet wurden.
    Die Fotografien finde ich super, man sieht das ihr euch viele Gedanken gemacht habt und eure ganze Kreativität in sie gesteckt habt. Die vielen Verlinkungen machen den Text zusätzlich lehrreich.

    Gewisse Überschriften sind meines Erachtens zu viel und manchmal etwas Irreführend – genau so wie das Heroin Foto. Dies finde ich wie gesagt kreativ, kann mir aber vorstellen das jemand der bei dem Entstehungsprozess nicht so zugegen war wie ich, durch besagtes verwirrt werden kann.
    Ein weiterer kleiner Kritikpunkt sind gewisse sprachliche Ungereimtheiten, welche dadurch die gewollten Aussagen sinnlos erscheinen liessen.

    Im Grossen Ganzen eine sehr informative und gelungene Arbeit. Well done!

  6. Liebes Team Selva und Lea

    Bis ich eure Beiträge gelesen habe, hatte ich noch nie zuvor gehört welch ein Problem die Milch Produktion darstellt. Ich Finde ihr habt wichtige Aspekte aufgezeigt und ich konnte mich gut in die Thematik hineinversetzen. Den Vergleich mit der Hunde-Mich oder dem trinken einer Milch von einer fremden Mutter, fand ich sehr spannend.
    Die Bilder habt ihr verständlich und gekonnt gewählt beziehungsweise inszeniert und ich denke eure Artikel könnten einigen Personen vielleicht sogar einen Stups zu einem bewussterem Konsumverhalten geben.

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