Chemische Cocktails – Die unsichtbare Bedrohung

Zahlreiche Berichte wurden über verschmutzte Wasserversorgungseinrichtungen, Flüsse, Seen und sogar Kanäle durch Medikamente veröffentlicht. Bis anhin wurden die unterschiedlichen Medikamentenrückstände im Wasser von der Pharma- sowie Chemieindustrie als harmlos eingestuft.

Doch wie ernst ist es wirklich? Und wie gelangen die Medikamentenrückstände in unser Abwasser?

Wasser ist einer der wichtigsten Rohstoffe für uns Menschen. Ein Schweizer verbraucht zum Beispiel durchschnittlich 162 Liter pro Tag, in erster Linie für Körperpflege, Essen und Trinken. Doch mit der Führung eines Haushalts entsteht auch immer Schmutz und Abfall, das im Falle unseres Trinkwassers noch schwerwiegende Folgen haben könnte. Zwar können die meisten Erzeugnisse, die in die Kläranlage fliessen, hinausgefiltert werden, doch vor Medikamentenrückständen und pharmazeutischen Abfällen ist es nicht geschützt, es fehlt an den entsprechenden Technologien.

Nehmen wir also Arznei wie Antibiotika ein, scheiden wir deren Schadstoffe auf natürliche Weise wieder aus und sie gelangen über die Kanalisation ins Grundwasser. Dazu kommen noch die grossen Mengen an schädlichen Substanzen von Pharma- und Chemiekonzernen, die ebenfalls in die Gewässer abgelassen werden. In einem Bericht über die USA hiess es, dass an die 123 Millionen Kilogramm pharmazeutischer Abfälle jährlich in Trinkwasserquellen entsorgt werden. Eine Zahl, die man sich fast nicht vorstellen kann. Die Konsequenz daraus: Alle schwer abbaubaren Rückstände gelangen nicht nur in unseren, sondern auch in den Wasserverbrauch sämtlicher anderer Lebewesen zurück.

Medikamente stellen ernsthafte Umweltschadstoffe dar

Sammlung von Medikamentenkapseln
Sammlung von Medikamentenkapseln

2006 hatten Forscher der staatlichen italienischen Universität «Insubria» die Auswirkungen von medikamentenverseuchtem Wasser untersucht. Es wurde herausgefunden, dass bereits eine geringe Dosierung der Arzneimittelrückstände eine Reproduktion der Zellen hervorruft und so zu einem Herzstillstand führen kann.

Ökosysteme auf der ganzen Welt leiden unter diesen Belastungen

Die Wissenschaftler sind sich darin einig, dass Wasserlebewesen aller Arten darunter leiden, wenn sie über einen längeren Zeitraum verschmutztem Wasser ausgesetzt sind. Sie wiesen Spuren von Medikamenten gegen einen zu hohen Cholesterinspiegel, Allergien, Bluthochdruck, manisch-depressive Erkrankungen und Depressionen im Gewebe der Fische nach.

Was sind die Folgen für die Unterwasserwelt?

Viele Fische sind in ihrer Fortpflanzung bedroht. Männchen werden zu Weibchen und umgekehrt. Andere Wasserlebewesen leiden unter Organversagen und entwickeln Wachstumsstörungen.

Die Unterwasserwelt
Ausschnitt aus der Unterwasserwelt

Wir fragen uns: «Wie lange dauert es, bis auch Menschen davon betroffen sind?»

Seit 2008 wurden mehr als 100 verschiedene Arzneimittelbestandteile in Fischen und anderen wild lebenden Tieren auf der ganzen Welt nachgewiesen. Wir finden sie heute überall – sie werden von der Pharma-, Chemieindustrie und den Krankenhäusern, den Apotheken und von uns Verbrauchern in die Gewässer gekippt – ohne darüber nachzudenken.

Es wird Zeit zu handeln. Verbesserungsvorschläge sind dringend von Nöten. Doch was müsste der Einzelne tun und was sollte sich grundlegend verändern?

Richtige Entsorgung von Medikamenten 

Medikamente sind Sonderabfälle und dürfen unter keinen Umständen die Toilette runtergespült werden, man wirft sie in den Hausmüll oder gibt sie in einer Apotheke ab. Mit diesem Vorgehen wäre ein grosser Schritt in die richtige Richtung getan.

Umweltfreundliche und schneller abbaubare Medikamente

Zum Schutz der Gewässer können umweltfreundlichere Antibiotika und Krebsmedikamente beitragen. Chemiker arbeiten daran, den Wirkstoff so zu verändern, dass er vollständig abbaubar wird. Bis derartige Medikamente aber auf den Markt kommen, dauert es noch etwa 10 Jahre. Solange sollen Ärzte und Patienten sensibilisiert werden, denn es braucht nicht für jede Krankheit Arzneimittel. Das Problem an übermässigem Konsum ist die daraus folgende Resistenz, die auch Tiere entwickeln können.

Chemiker bei der Arbeit
Chemiker bei der Arbeit

Aktivkohlefilter in Klärwerken 

Mittels neuen Techniken in Kläranlagen wäre es möglich, dass das Wasser nicht erst bei der Trinkwasseraufbereitung verbessert wird. Mit einer Aktivkohlefilterung könnten die schädlichen Wirkstoffe von Medikamenten herausgefiltert werden, doch die Kosten dafür sind immens und nicht alle Bürger sind damit einverstanden. Britische Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass die nötigen Filter für eine Grossstadt ungefähr acht Millionen Euro kosten würden. Gemäss Umweltbundesamt UBA müssten aber nicht alle Kläranlagen nachgerüstet werden.

«Kleine Dinge können grosse Auswirkungen haben.»

Als Hauptziel gilt es generell zu vermeiden, dass keine Schadstoffe in unser Grundwasser gelangen, doch den richtigen Weg einzuschlagen ist einfacher gesagt als getan. Die Menschheit steht sich selbst im Weg, das hat sich längst etabliert. Verbesserungsvorschläge wären vorhanden, doch solange in kleinen Massstäben gedacht wird und der Einzelne sich nicht verantwortlich fühlt, können deren Entwicklungsprozesse nicht weitergeführt werden. Sei Teil der Lösung, nicht Teil des Problems.

Involvierte Personen

  • Sandra Rindlisbacher
  • Angelica Wyser
  • Janine Hartmann

Zusätzliche Beiträge

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11 Gedanken zu „Chemische Cocktails – Die unsichtbare Bedrohung“

  1. Hallo ihr Lieben
    Das durchlesen von eurem Artikel war sehr spannend. Wie bei so vielen Dingen, muss man auch bei diesem Thema zwei Mal überlegen, bevor man merkt wie schädlich Medikamente für uns und unsere Welt sein können.
    Dass ein Mensch 162 Liter Wasser im Tag verbraucht wusste ich nicht. Wir sind ja richtige Wasserverschwender :S
    Nun mal davon abgesehen, dass wir drei Liter im Tag trinken sollten. ☺
    Es ist erschreckend zu erfahren, dass schon eine geringe Dosierung von Arzneimittelrückständen im Wasser, zu einem Herzstillstand führen kann.
    Ich denke eigentlich wissen wir alle, wie Umweltschädigend Medikamente sein können. Es ist uns jedoch im Alltag nicht immer bewusst. Welcher Mensch überlegt sich, wenn er eine Tablette zu sich nimmt: „Ach mit diesem Ding töte ich vielleicht später einen Fisch.“ NIEMAND !
    Meiner Meinung nach sollte dieses Thema mehr in den öffentlichen Medien angesprochen werden. Jedoch ist es so, dass egal was man alles ändern könnte, die Umsetzung die Schwierigkeit ist.

    Vielen Dank

    Grüssli Lisa Nina

  2. Liebe Sandra, Angelica und Janine

    Das sind erschreckende Tatsachen die ihr uns vor Augen führt. Weinig bedenkt man die fatalen Folgen obwohl das Thema nicht ganz unbekannt ist. Von Medikamenten verunreinigter Urin ausscheiden, ein verbrechen welches viele von uns Tagtäglich begehen. Könnten wir nicht viel öfters statt sofort starke, chemische Medikamente einzunehmen auf naturmedizinische Produkte zurückgreifen? Ausserdem ist es nötig bei jedem kleinen blutenden Finger oder leichten Bauchschmerzen sofort etwas dagegen einzuwerfen? Der Pharmakonsum könnte meiner Ansicht nach generell runtergeschraubt werden.

    Tun wir es um die Schildkröten zu retten!

  3. Liebe alle 3rei

    Euer Artikel hat mich fast, nein er hat mich erschüttert. Erstens, dass mit der ganzen Umweltbelastungen und der enormen krass kranken Geschlechtsveränderung bei Fischen habe ich auch schon gehört und gemeint, dass dies eigentlich auch Allgemein bekannt sei. Und trotzdem gibt es noch Menschen die ihre Medikamente in der Toilette entsorgen! Darauf muss ich gleich zwei Valium nehmen.
    Zweitens, es gäbe also tatsächlich eine Lösung und nur wegen dem Kack Geld wird wieder einmal so lange gewartet bis auch die Gross Konzerne die Augen nicht mehr schliessen können. Sterben ja nur Tiere, bis jetzt! So lange die eigne FreundIn, durch Medikamenten Cocktail nicht zum Männchen mutiert ist ja alles Dafalgan!

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich finde ihr schreibt auf sehr hohem Niveau. Bleibt am Ball.

  4. Bei eurem Blogeintrag kommt mir komischerweise den dreiäugigen Fisch von «The Simpsons» in den Sinn.

    Die Schweiz ist eigentlich sehr vorbildliche für die Reinigung der Gewässer, da unsere Abwasserreinigungsanlagen einen sehr hohen technischen Stand haben. Es gibt ja Länder, dort fliesst die ganze Sauerei einfach ins Wasser. Doch auch unsere Anlagen filtern diese Medikamente nicht raus. Die Antibabypille ist eines der grössten Probleme. Hormone fliessen direkt in die Aare usw. Das ist echt erschreckend! Eigentlich sollte man meinen, das Wasserschloss CH, die Quelle von viele Gewässer, sollte zu dem relativ sauberen und unverzichtbaren Wasser noch Sorge tragen.

  5. Liebe Sandra, Angelica und Janine

    Vorerst bin ich kein Freund von Medikamenten.
    Daher fand ich Euren Beitrag sehr gut.

    Ich denke das Problem zu lösen ist einfacher gesagt als getan.
    Wie Ihr bereits erklärt habt, Verbesserungsvorschläge wären vorhanden, doch solange in kleinen Massstäben gedacht wird und der Einzelne sich nicht verantwortlich fühlt, können deren Entwicklungsprozesse nicht weitergeführt werden.

    Es ist überhaupt nicht nötig viele Medikamente zu sich zu nehmen. Doch viele Personen kurbeln die Pharmaindustrie so dermassen an, dass sie bei jedem Schmerz sich irgendetwas in den Körper reinhauen.

    Ich würde es jedoch mit Früchte und Gemüse versuchen
    Für mich sind das die besten Medikamente.

    Ich dachte immer die Schweiz hätte eines der besten Abwassersysteme Weltweit. Wie sich aber herausstellt ist das leider nicht so.
    Wasser bedeutet Leben, doch das Blatt könnte sich schnell wenden. Dann heisst es, Wasser bedeutet Tod. 🙁

    Besten Dank für Euren interessanten Beitrag 🙂

    Lieber Gruss
    Davide

  6. So, Ihr drei
    Vielen Dank für euren höchst beunruhigenden Beitrag, welcher mich stark zum Nachdenken angeregt hat.

    Ich bin ein bisschen erschrocken darüber, wie viele Schadstoffe von Medikamenten es doch noch bis ins Wasser schaffen und dann unsere Fauna und Flora bedrohen. Es reicht also nicht bloss die Medikamente Fachgerecht zu entsorgen, nein sogar nach einem gewöhnlichen Toilettengang machen wir uns zum Umweltsünder. Ich bin der Meinung, dass wenn es schon die Möglichkeit von verbesserten Kohlefiltern gibt, diese auch eingesetzt werden sollte, schliesslich ist das Wasser unser und unserer Umwelt wichtigstes Gut!

    Ich hoffe schwer, dass sich in dieser Problematik noch einiges ändern wird und stimmen sehr damit überein, das einfach für zu viele Kleinigkeiten sofort Medikamente verschrieben werden, welche eigentlich nicht nötig wären.

  7. Aloha

    Das Leben scheint uns um jeden Preis umbringen zu wollen. In dem wir unser Leben retten mit Medizin, zerstören wir unseren eigenen Lebensraum und töten uns auf diese Weise. Der Mensch schneidet sich ununterbrochen ins eigene Fleisch und da stell ich mir doch die Frage: Ist es nicht der Mensch, den man abschaffen sollte? Vielleicht sollte man uns durch einen Filter lassen und so die ganze Erde von dieser Plage befreien und sie in Ruhe ihren Lebensabend geniessen lassen bis sie irgendwann von der Sonne verdampft wird.
    Die Wissenschaftler der Universität Schlag-mich-tot arbeiten daran.

    Super Artikel! Spannend, informativ, aufschlussreich und deprimierend.

  8. Chelas zusammen,

    Ich könnt bei dem Them fuchsteufelswild werden. Wie bezeichnend für eine Gesellschaft ist es denn, wenn so ein Problem auftritt? Sind wir alle so krank und nehmen soviel Chemie zu uns, dass wir unsere Umwelt verschmutzen müssen. Wir frauen nehmen am „Happy-Muttererde-Meucheln“ unweigerlich jeden Tag daran teil, in dem wir Massen von Östrogen und Gestagen ins Wasser lassen und Lebewesen unfruchtbar machen, auf jedenfall diejenigen, die mit der Pille verhüten. Und dass wir bis heute keine Lösung für das Problem gefunden haben, empört und enttäuscht mich noch mehr. Ansetzen sollte man aber vielleicht da, dass man so oder so viel zu schnell zu Medikamenten greift.
    Danke für den Artikel, darauf brauch ich ein Glas Wein.

    Cheerioh

  9. Salü

    Ich bin ein bisschen schockiert, denn ich wusste gar nichts davon!
    Sehr spannender und informativer Beitrag, doch ich fühle mich jetzt ein bisschen traurig und frage mich ob ich noch Kinder auf die Welt setzten soll. haha
    Vielleicht liegt auch daran dass, das der letzte Artikel ist von den 4 vier und einem wieder bewusst wird wie sehr wir unsere Erde zerstören auf allen möglichen Arten.

    Dankeschön

  10. Hallihallo

    Einen super Beitrag, den ihr hier verfasst habt. Ihr seit allesamt gekonnte Schreiberinnen, das merkt man. Besonders der Schluss hat mir sehr gefallen.
    Euer Thema weist erschreckende Fakten auf, mit denen ich nicht gerechnet habe. Die durch Medikamente verursachte Verschmutzung unseres Trinkwasser ist eine wahre Tragödie. Zum Schluss darf ich sagen, sehr froh darüber zu sein, in Welschenrohr zu wohnen. Unser Trinkwasser stammt von natürlichen Quellen in der nahen Umgebung, welche sich teilweise hinter die eigene Hausecke befinden. Ich liebe unser Hahnenwasser und fülle es daher auch in Flaschen ab, wenn ich das Haus verlasse.
    Danke für den Aufwand den ihr betrieben habt, um uns das Thema näher zu bringen!

    Regi

  11. Hallo ihr Lieben
    Ein sehr gelungener Beitrag, jedoch extrem erschreckend.
    Nach dem Durchlesen musste ich schon ein paar Mal schlucken und fragte mich, was diese Sonderabfälle (oder besser gesagt WIR) noch alles zerstören…
    Eigentlich wäre es doch ganz einfach, jeder sollte sich an der Nase nehmen und sorgfältig den Abfall trennen. Schliesslich sind ja nicht nur die Medikamente schuld an unserer heutigen „Wasserverschmutzung“.

    Würde jeder ein bisschen mehr gutes für die Umwelt leisten, wären wir vielleicht heute nicht schon an diesem Punkt. Da fragt man sich doch echt, was eigentlich noch alles passieren soll, damit wir Menschen endlich die Augen öffnen und handeln.

    Danke für eure Mühe, war echt super spannend zu lesen!

    cheers laura

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