Einer Labormaus wird von einem Labormitarbeiter eine Spritze gegeben

Das ungehörte Leiden für die Gesund- und Schönheit

Gemäss den Angaben von Tierschutzorganisationen wird in der Schweiz alle 47 Sekunden ein Tier für irgendwelche Tierversuche verwendet.
Dabei spielt es keine Rolle, um welche Art Tier es sich handelt. Ratten, Katzen, Hunde, Pferde und sogar Fische. Diese und viele andere Tierarten sind der Forschung für ihre Tests nur recht.

Tierversuche sind ein heikles Thema und trotzdem kann es nur allzu leicht verdrängt werden, denn im Gegensatz zu Fleisch ist bei anderen Produkten das Leiden der Tiere viel subtiler.
Besonders bei dem Kauf von Kosmetik und auch Medikamenten wird oft bewusst ignoriert, dass diese Produkte zuerst ausgiebig an wehrlosen Versuchstieren unter unwürdigen Lebensumständen getestet werden.

In diesem Beitrag möchten wir die Misstände in Testlaboren aufdecken und Lösungsvorschläge anbieten, wie man für den Menschen unbedenkliche Produkte auch ohne Tierleid entwickeln kann.

Mäuse wurden mit 2 Millionen am häufigsten Opfer von Tierversuchen
Abb. 2 – Verwendete Tiere für Tierversuche in Deutschland 2015

 

Was sind Tierversuche?

Als Tierversuche gelten alle Massnahmen, bei welchen lebende Tiere verwendet werden. Diesen Test liegen verschiedene Forschungen zugrunde. Oftmals werden die Tiere eingesetzt um Krankheiten wie z.B. Krebs zu erforschen aber auch um an ihnen die Verträglichkeit neuer Wirkstoffe zu testen. Labortiere werden aber auch zur Aus- und Weiterbildung verwendet.

Tierversuche sind notwendig zur Erforschung von Krankheiten, Überprüfung von Wirkstoffen auf unbedenklichkeit, Schutz von Mensch und Tier, Erforschung von Körperfunktion und zur Aus- und Weiterbildung
Abb. 3 – Warum sind Tierversuche notwendig?

Schon seit über 200 Jahren wird mit Tierversuchen an der Heilung von Krankheiten sowie an der Verträglichkeit diverser Kosmetikprodukte geforscht. Dabei kommt immer wieder die Frage auf: Haben Tiere ein gleich stark ausgeprägtes Schmerzempfinden wie wir Menschen oder nicht?

Oft ist das Unwissen darüber unsere Entschuldigung dafür,  die Tiere so schlecht zu behandeln.
Somit kommt es jedoch immer wieder zu Widersprüchen wie:

  • Tiere sind Menschen oft ähnlich, somit macht es Sinn, die von den Menschen genutzten Medikamente, Nahrung sowie Kosmetik an Tieren auszutesten.
    Aber bezüglich der Qualen und der emotionalen Erlebnisse könne man Tiere und Menschen plötzlich nicht mehr vergleichen.
  • Tiere haben Gefühle wie Menschen (Stress, Einsamkeit, Angst usw.) und daher eignen sie sich für psychologische Experimente. Jedoch drücken Tiere ihre Gefühle anders aus, daher sollte man ihre Gefühlswelt dann doch nicht mit der der Menschen vergleichen.
  • Zur Rechtfertigung des extremen Fleischkonsums und auch der Verschwendung hört man zudem oft die Begründung: “Tiere essen doch auch Fleisch.”

Alle Punkte sind sehr wichtig, jedoch sticht vor allem eines heraus: Tiere haben ein ähnliches Gefühlsleben wie die Menschen. Sie empfinden Trauer, Stress, Einsamkeit, Angst, Aufregung und noch vieles mehr. Jeder Haustierbesitzer kann dies bestätigen.
Eine Katze zum Beispiel legt ihre Ohren nach hinten und sträubt ihr Fell. Sie äussert sich klar dazu, dass ihr etwas nicht geheuer ist.Auch Depressionen sind nicht nur bei Menschen vorhanden. Forscher beschäftigen sich sogar intensiv damit, die Depression von Tieren hervorzurufen, damit sie diese erforschen können. Selbstverstümmelung, Trägheit und Lustlosigkeit sind nur wenige der Symptome, welche gleichermassen bei Tieren sowie Menschen mit Depressionen vorkommen.

Der Beginn und die Entwicklung der Tierversuche

500 vor Christus entdeckte ein griechischer Arzt durch Experimente an lebenden Tieren die Verbindung der Sinnesorgane zum Hirn. So entwickelten sich aus der früheren Forschung der Anatomie der Tiere, Schritt für Schritt, die Tierversuche.

Neuste Erkenntnisse zeigten jedoch, dass 90% der Medikamente, welche an Tieren getestet wurden, am Menschen versagten oder zu Schaden führten. Auch die Umwelt bleibt von all dem nicht verschont. Gewisse Substanzen, welche zuerst als gefahrlos galten, entwickelten sich teilweise zu einer seuchenartigen Gefahr, beispielsweise: Verseuchung der Gewässer, Luft, Boden oder globale Vergiftung.

Wieso also führt man Tierversuche durch? Die Antwort hierzu ist, als Absicherung für die div. Kosmetik- sowie Pharmafirmen. Die Industrie fürchtet sich vor Schadensersatzforderungen durch den Konsumenten. Mithilfe der Tierversuche sicherten Firmen sich also ab, da sie dank diesen über das Gesetz geschützt waren beziehungsweise sind. Heutzutage gilt dies jedoch nur noch für die medizinischen Versuche.

Der Verkauf von tiergetesteten Kosmetika ist in der EU bereits verboten. In der Schweiz jedoch ist dieser teilweise immer noch erlaubt, obwohl die Schweiz bereits eine der weltweit strengsten Regelungen bezüglich Tierversuche hat. Daher werden die Versuche meist in anderen Ländern durchgeführt. In Ländern, in welchen die Haltung und all dies umso schlechter und qualvoller für die Tiere ist.

Schlechte Haltung kann auch dazu führen, dass die Ergebnisse verfälscht werden und somit auch die Forschung. Ein Beispiel sind hierfür die nachtaktiven Tiere. Forscher führen ihre Experimente meistens am Tage durch. Körper von nachtaktiven Tieren funktionieren tagsüber jedoch anders, somit erhält man ein verfälschtes Ergebnis. Daher ist es wichtig, dass Tiere artgerechten Auslauf, Einrichtung, genügend Licht, Pflege und all dies erhalten. Leider wird das nur selten eingehalten.

Der Käfig ist sehr klein und nur mit Einstreu und einer Futterbox eingerichtet
Abb. 4 – Ein Kaninchen in einem Versuchslabor

Viele der Substanzen, welche für Medikamente oder Kosmetik im Ausland verwendet werden, sind sozusagen unbekannt. Die Firmen wissen nicht, wie oder woran diese getestet wurden. Daher ist es immer fragwürdig, wie „versuchsfrei“ ist ein Produkt tatsächlich ist, da nur innerhalb der Schweiz auf das konkrete Testen an Tieren verzichtet wurde. Somit gibt es vorerst zu viele Schlupflöcher für eine nahe, tierversuchsfreie und weltweite Zukunft.

Wer Tierversuche durchführen will, benötigt eine Bewilligung der jeweiligen kantonalen Veterinärämter des Kantons, in welchem die Versuche durchgeführt werden sollen. Das Versuchsvorhaben muss vorzeitig mithilfe eines Gesuches eingereicht werden und darf nur im Rahmen der oben erwähnten Punkte stattfinden. Das Überprüfen jenes Vorhabens kann bis zu 3 Monate in Anspruch nehmen. Auch für die Züchtung von Versuchstieren benötigt es die Bewilligung der kantonalen Behörde.

Schwerpunkt: Mensch und Industrie

Ein gutes Vorbild in der Schweiz ist Migros. Diese hält sich bereits an die EU-Verordnung. Ihre Eigenmarke Mibelle ist tierversuchsfrei – seit eh und je. Der Warenhändler Coop zählt 85% internationale Fremdmarken zum Sortiment, welche sich ebenfalls an die EU-Verordnung halten. Darunter ist auch Body Shop, welcher schon vor Jahrzehnten aktiv gegen Tierversuche vorging.

Spezifischere Marken, die ebenfalls komplett Tierversuchsfrei arbeiten und in der Schweiz erhältlich sind, wären unter anderem Lush, Weleda, Dr. Hauschka, Speick Naturkosmetik, Benecos und noch einige mehr.  Für Interessenten verlinken wir am Ende unseres Blogs eine Liste mit den diversen Tierversuchsfreien Firmen und Marken.

Allgemein ist das Thema Tierversuche eines, das Menschen lieber meiden. Sieht man es nicht sofort, so ist es ein Einfaches, diesem auszuweichen. Viele Firmen, welche aktiv gegen Tierversuche sind, haben jedoch aus diesem Grund bereits spezifische Massnahmen ergriffen, um die Menschen darauf aufmerksam zu machen.

Ein gutes Beispiel hierzu wäre Lush (UK) gegen die Tierversuche in der Kosmetikbranche in folgendem Video:

Mehrheitlich scheinen die Menschen nach und nach gegen Tierversuche zu sein. Dies zeigte auch eine Umfrage im Auftrag der Ärzte in Deutschland im März 2017, in welcher sich zwei Drittel der Bevölkerung für ein gesetzliches Verbot der qualvollen Tierversuche ausspricht.

Viele Menschen haben aber trotzdem die Vorstellung, sollte die Menschheit auf die Tierversuche verzichten oder diese einschränken, so würde der menschliche Fortschritt bezüglich Medikamenten, Kosmetik und vieles mehr zum Stehen kommen. Es könnten keine neuen Medikamente oder Behandlungsmethoden getestet werden. Forscher stimmen zu, dass wir momentan nicht komplett auf Tierversuche verzichten können, jedoch würde die Reduzierung dieser keinen medizinischen Stillstand verursachen.

Gibt es Alternativen zu Tierversuchen?

Ja, denn es gibt durchaus rentable Alternativen, die sich tatsächlich umsetzen liessen.
Schon mit relativ wenig Aufwand können Tierversuche oder zumindest die Belastung der Versuchstiere deutlich minimiert werden.

Die Verbesserung der Gesundheit oder des Lebensstandards wird nicht etwa durch Kosmetik oder Medikamente bewirkt, sondern durch Hygiene und Sauberkeit. Auch die Art der Ernährung sollte beachtet werden.

Wichtig für Forscher ist bei dieser Thematik auch das 3R-Prinzip:

Replace bedeuted einen Tierversuch durch andere Methoden ersetzen. Reduce heisst so viele Versuchstiere wie nötig aber so wenig wie möglich. Refine bedeutet die Belastung der Versuchstiere zu minimieren.
Abb. 5 – Das 3R-Prinzip bei Tierversuchen steht für “Replace”, “Reduce” und “Refine”

Alternative zu den Tierversuchen wäre zum Beispiel die Forschung mit menschlichen Zellen. Dank der heutigen Technik und Fortschritte ist dies gut simulierbar und könnte somit die Rate der nicht wirksamen Medikamente um einiges senken, da sie direkt mit dem Menschen verglichen werden.

Einige alternative Methoden werden auch in folgendem Video verständlich erklärt:

Will man als private Person gegen Tierversuche vorgehen, so kann man schon mit kleinen Schritten anfangen. Man kann Petitionen unterschreiben oder durch einfaches Nachfragen auf das Thema aufmerksam machen.
Es geht aber noch einfacher, und zwar mit dem bewussteren Konsum. Tierversuchsfreie Produkte werden mit verschiedenen Siegeln versehen. Diese sind wichtig, da viele Hersteller ihre Produkte mit einer Überschrift versehen, welche behauptet, das Produkt sei tierversuchsfrei. Jedoch können einzelne Inhaltsstoffe hier sehr wohl, wie bereits zuvor angesprochen, an Tieren getestet worden sein. Vielleicht nicht das Endprodukt selbst, aber gewisse Substanzen.

Will man also auf Nummer sicher gehen, sollte man sich an folgende Siegel halten:

 

Hoffentlich konnten wir euch zum Nach- und Umdenken anregen und möchten nun unseren Blogeintrag mit folgendem Zitat beenden:

„Die Grösse einer Nation lässt sich daran messen, wie sie Tiere behandelt“ – Mahatma Gandhi

Autoren

Diana Bürckel, Samira-Anina Noëly Ryser, Raffaela Wirth

Hilfreiche Links

Liste mit  Tierversuchsfreier Kosmetik: http://features.peta.org/cruelty-free-company-search/index.aspx

Statistiken: http://tv-statistik.ch/de/statistik/index.php

Quellenverzeichnis
  1. https://www.tierversuche-verstehen.de/
  2. https://www.swissveg.ch/schmerzempfindung
  3. https://vebu.de/
  4. https://www.beobachter.ch/gesetze-recht/tierversuche-fur-die-schonheit-leiden-sie-jetzt-weniger
  5. https://www.agstg.ch
  6. https://www.tierschutz.com
  7. Buch: Tierversuche müssen abgeschafft werden; Autoren: Bernhard Rambeck, Andrea Clages & Edmund Haferbeck
Abbildungsverzeichnis
  1. Beitragsbild – http://www.thinkstock.com
  2. Abb.  – http://www.kathleenpinske.de/vegane-lebensweise/
  3. Abb.  – https://www.tierversuche-verstehen.de/grafiken/
  4. Abb.  – http://www.understandinganimalresearch.org.uk/
  5. Abb.  – https://www.tierversuche-verstehen.de/grafiken/
  6. Abb.  – https://www.nachhaltigleben.ch
  7. Abb.  – https://www.nachhaltigleben.ch
  8. Abb.  – https://www.nachhaltigleben.ch

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