Der Abschaum des Internets

Imageboards werden stetig beliebter bei den Internetnutzern. Täglich werden enorme Datenmengen hochgeladen und im Netz verbreitet. Dabei wird höchste Anonymität versprochen. Keine Menschenseele, nicht einmal der Staat, kann sehen wer die Dateien von wo verbreitet. Dies führt dazu, dass sich kriminelle Organisationen und Gesetzeshintergänger nicht selten an diesen Orten tummeln. Doch bringen die verschleierten Bildergalerien wirklich nur Negatives mit sich?

Was ist ein Imageboard?

Wie der Name bereits verrät sind Imageboards Plattformen auf welchen man Bildmaterial austauschen kann. Die meisten Seiten errinnern vom Aufbau her an die wohlbekannten Interneforen. Man kann zu einem beliebigen Thema einen «Thread» eröffnen und erhält so einen Raum, in welchem verschiedene Nutzer ihre Dateien austauschen können. Zusätzlich stellen die Anbieter meist auch Chat und Kommentarfunktionen zur Verfügung, damit man sich zu dem Gezeigten äussern kann.

Der Urriese im englischen Sprachraum befindet sich unter der URL http://www.4chan.org/. Die Seite ist Unterteilt in verschiedenste Kategorien, teilweise mit Inhalten ab 18 Jahren. Der Kanal Random, auch abgekürzt mit /b/, erlangte über die Jahre eine gewisse Berüchtigkteit; er wird oftmals bezeichnet als der illegalste legale Ort im Netz. Nicht zuletzt liegt dies an der Funktionsweise der Page.

Wie bei vielen Imageboards auch, bleiben die Bilder nicht lange auf der Seite. Lädt man eine Datei auf, werden alle anderen weiter verschoben und das älteste gelöscht. Somit beträgt die normale Lebensdauer einer 4chan-Datei im Random-Channel ca. 2 Stunden, zu Stosszeiten. Beamten, welche das Internet nach zweifelhaften Bildmaterial durchsuchen, haben hier schlechte Karten.

Umsomehr nutzen rechtsradikale Gruppierungen, Kriminelle und andere Gesetzesbrecher diese Seiten als Austauschplattform für ihre Organisation. Da vermehrt auch Pädophile oder sogar Menschenschänder auf den Service der Imageboards zugreifen um ihre Werke zu verbreiten, wurde auf den meisten Boards eine Reportfunktion eingeführt. Damit können diese zweifelhaften Zeitgenossen sich nicht mehr in Sicherheit wiegen. Ein Report führt zu einer Verwarnung und beim zweiten Mal zu einer IP-Sperre, wodurch ihnen der Zugang verwehrt bleibt. Die kriminelle Szene verschwand deshalb, seit kurzem, grösstenteils ins Deepweb. (Dazu evtl. in einem weiteren Blog mehr.)

Positives?

Ist man nicht gerade auf narzisstische Hassversammlungen oder Drogenverkäufe aus, findet man auf den Boards auch sehr interessante Diskussionen. Wie ein Goldschürfer muss hier allerdings lange gesucht werden bis man im ganzen Dreck etwas findet.

Besonders an solchen Diskussionen ist die Anonymität. Wie ein schützender Schleier lässt sie den Sprecher seine Meinung preisgeben, ohne jeglichen Einfluss der Mitsprecher. Der Schutz des Internets lässt viele wesentlich offener Sprechen und gibt das Gefühl von Sicherheit wodurch auch zweifelhafte Meinungen geäussert werden.

Schade ist aber, dass diese Gespräche sehr schnell im Dreck landen. Jeder ist gleich im Netz und jeder kann in die Konversation hineinplatzen. So passiert es oftmals, dass Uninteressierte lieber verbotene Inhalte «posten» und so alle Anwesenden mit in in die IP-Sperre reissen.

Anonymous und Aufrufe

In letzter Zeit ist es etwas ruhiger geworden um diese Ritter des Internets. Den Ursprung der Gruppierung Anonymus liegt auf der Webseite 4chan. Auch der Grossteil der Aktionen werden darüber bekannt gegeben. Das spezielle an der Gemeinschaft ist, dass sie unpersönlich ist. Niemand weiss wieviele Mitglieder Anonymus hat, geschweige denn woher diese kommen.

Anonymous Exposes Massive Leak of United States Department of Justice - Anonymous Hack Download from the Pirate Bay

Dies geht soweit, dass man als Aussenstehender sofort auf 4chan einen Demoaufruf verbreiten kann, einfach indem ein Datum, ein Treffpunkt und ein Grund angegeben wird. Gerade weil dies so einfach ist, wird es des Öfteren ausgenutzt und als Jux misshandelt. Anonymus Anhänger werden deshalb mittlerweile belächelt und ignoriert.

«Youtube Porn Day»

Dafür werden des öfteren andere Aktionen gestartet, mit denen die Internetgemeinschaft versucht gegen Zensur zu kämpfen, politisch und religiös Radikale zu behindern oder einfach aus Spass. So fand am 10. Januar 2010 der «Youtube Porn Day» statt, der einem Aufruf eines Imageboardnutzers entsprungen ist. Er rief auf gegen die Zensur von Youtube Videos vorzugehen. Der Plan dabei war, dass am 10. Januar so viel pronografisches Filmmaterial wie nur möglich zeitgleich auf Youtube hochzuladen und somit die Zuständigen für Zensur zu überlasten.

Immer wieder wird auch zu DDOS-Attacken aufgerufen. Dabei werden nutzerfreundliche Programme verteilt mit welchen jeder User eine bestimmte Internetadresse überlasten kann. Je mehr Leute dieses Programm von Zuhause aus ausführen, desto effektiver ist die erzeugte Überlast auf den Servern des Opfers. Diese angriffe treffen vorwiegend Rechtsradikale oder schwulenfeindliche Seiten, Banken und Grosskonzerne waren in den letzten Jahren aber ebenfalls beliebte Ziele.