Design mit bewegter Vergangenheit

Seit dem 13. November zeigt das Museum für Gestaltung in Zürich die Vintage Ausstellung. Mit der Illustration dieses neuzeitigen Lifestyles soll der Horizont des Betrachters erweitert werden. Vintage erhält immer grösseres Ansehen, aber ist Vintage auch der Wegweiser für zukünftiges Design?

Was ist Vintage?

Vintage ist das englische Wort für altehrwürdig. Schon alleine durch den Namen wird ersichtlich, was diese Designrichtung prägt. Die Objekte sind keine Neuentdeckungen, sondern bereits vorhandene Objekte, die neu in Szene gesetzt werden.  Die Stilrichtung steht für die Wertsteigerung, die ein Objekt durch Alterung, Selektion und der daraus resultierenden Verknappung erfährt. 

Faszination Brockenhaus

Die Hippie–Bewegung der 1960er – 70er Jahre entdeckte die Faszination für den Flohmarkt, das Brockenhaus und den Second–Hand–Laden. Die darin enthaltenen Gegenstände erlebten dort eine erneute Blütezeit. Die Objekte faszinieren durch ihr früheres Leben. Die Gebrauchtwaren wurden nun nicht mehr nur aus ökologischen Gründen erworben, sondern als Stilmittel eingesetzt.

Flohmi Solothurn
Flohmi Solothurn

Spannweite

Von Mode über Schuhe bis hin zu Möbeln. Unter die Sparte des Vintages lassen sich viele Gegenstände einordnen. Zu beachten ist jedoch, dass diese Objekte in der Regel Raritäten sind. Sie zeichnen sich durch Qualität und Individualität aus. Manche Käufer zelebrieren mit dieser Stilrichtung einen konsumkritischen, ressourcenschonenden und geschichtsbewussten Umgang mit Designwaren.

Je populärer jedoch eine Stilrichtung und dessen Mode wird, umso mehr negative Aspekte bringt die Produktion mit sich. Hersteller sahen die Marktlücke und machten daraus ein Millionengeschäft. Im Endeffekt führte es in einigen Bereichen zu Massenproduktion, wie bei der bekanntesten Form des Vintages – der «Used–Look» bei Jeans.

Der Wert der Patina

Alltagsobjekte sind wortlose Zeitzeugen. Ihre Eigenschaften prägen die heutige Kultur und viele altbewährte Gegenstände verhelfen zu neuen, innovativen Ideen mit dem «Touch» des vergangenen Zeitalters. Der Lebenszyklus eines Industrieproduktes ist begrenzt. Die Oberflächen dienen als Angriffsflächen für Abnutzung und Verschleiss. An ihr manifestiert sich das Alter am meisten. Doch genau diese Patina findet zu neuer Wertschätzung. Sie verleiht einem massenhergestellten Produkt Individualität und reflektiert eine kritische Haltung gegenüber der ständigen Nachfrage nach Neuem.

 

Vintage ist also ein Gegenentwurf zum Glauben der Moderne ans immer Neue. Ob Design mit bewegter Vergangenheit jedoch ein Wegweiser für zukünftiges Design ist, muss jeder Betrachter in seinem Sinne interpretieren. Macht euch selber ein Bild dazu. Bis zum 6. April sind die Türen der Ausstellung noch geöffnet.

http://www.museum-gestaltung.ch/de/ausstellungen/jahresprogramm-2014/vintage/

2 Gedanken zu „Design mit bewegter Vergangenheit“

  1. Liebe Anja,

    Mit diesem Thema habe ich mich auch schon auseinandergesetzt. Während meiner Lehrzeit haben wir immer wieder aus alten Möbeln neue gemacht. Den wer möchte heutzutage noch einen Louise Philippe Stuhl kaufen?

    Deshalb haben wir immer mehr alte Stühle zum neu lackieren gegeben. Ob Silber, Gold, Schwarz, Orange, Pink oder Grün. Alle erschienen in neuen Farben. Darauf noch einen modernen Stoff und die Stühle waren wieder angesagt.

    Aus diesem Grund finde ich die Idee sehr originell. Es gibt genügend alte Dinge auf der Welt, es müssen nicht immer wieder neue hergestellt werden!!!

    1. Liebe Martina

      Ich gebe dir auf jeden Fall recht. Ich persönlich unterstütze diese nachhaltige Gesinnung, die Verschwendung zu reduzieren. Heutzutage leben wir viel zu verschwenderisch. Es fällt mir schon bei Kleinigkeiten auf. Anstelle, dass wir eine Tasche zum Einkaufen mitnehmen, benutzen wir unzählige Plastiksäcke aus dem Supermarkt. Dieses Verhalten fiel mir insbesondere während meiner Lehrzeit auf, in der ich für den Einkauf zuständig war. Wenn das Brot vom «Znüni» einen Tag alt war, wurde es nicht mehr gegessen. Das Brot sei nun alt und nicht mehr essbar. In solchen Situationen habe ich mich einige Male gefragt, was mit unserer Gesellschaft nicht stimmt.

      Der gute Hintergedanken von Vintage, alte Werte zu schätzen, wird jedoch immer mehr übergangen. Die Kleiderindustrie stellt in aufwändigen Prozeduren Kleidung her, die nur auf alt gemacht werden. Ich finde es schade, das die nachhaltige Gesinnung dieser Stilbewegung mit solchen Produktionen in den Dreck gezogen wird. Viele Menschen arbeiten unter schlechtesten Bedingungen und zu Niedrigstlöhnen, damit wir den Trend des «Used-Look» ausüben können.

      Man sollte wieder mehr auf die Werte dieser Bewegung schauen. So wie in deinem Fall, dass alte Stühle überarbeitet werden, um neuen Glanz zu erhalten. Ich vertrete die Devise: «Aus Alt mach Neu und nicht lasse Neu alt aussehen.»

Kommentare sind geschlossen.