Die Mondiali Antirazzisti 2013 – Ein Bericht Teil 2

Angekommen auf dem heissen trockenen Stück Land auf dem die Mondiali stattfinden sollen, sind wir gespannt und freuen uns auf die Leute und Spiele…

Das Gelände ist sehr weitläufig, Obstbäume, einen Teich und Wiesenflächen auf dem verschiedene Pavillons und kleine Gebäude errichtet wurden. Für die Konzerte hatte man ein Zirkuszelt aufgebaut. 100 Meter vom Zelt entfernt, stand das Hauptgebäude, an dem die Bars und die Essensstände zu finden waren. Ebenfalls fand sich in diesem Pavillon die Ausstellung aller Plakate, welche die einzelnen Teams gestaltet haben.

In den kühleren Abendstunden tummelten sich jetzt bereits viele Leute auf der grossen Wiese, tranken Bier oder kühlen Wein und beredeten den morgigen Spieltag. Dieser Wein würde noch vielen Leuten ein fröhliches Aufstehen ermöglichen…

Am nächsten Tag war es dann soweit: Die Teams trafen sich schon um 9 Uhr in der eingeteilten Spielgruppe auf dem Platz. Man sollte sich kennenlernen, es wurde geredet und bereits erste Geschenke der verschiedenen Ultra- und Fangruppen ausgetauscht. Unser Team „Soletta Allstars“, würde in den nächsten 2 Spieltage auf einige Mannschaften aus Italien, ein lokales, anarchistisches Kollektiv und 2 Mannschaften aus Bologna und Verona, auf die kleine antifaschistische Ultragruppierung von Dynamo Dresden, die Rosinenbomber von Schalke 04, Ultras von Olympique Marseillle und ein Team aus Belfast treffen.

 

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Obwohl sich unser Spielfeld in einem wirklich schlechten Zustand befand und es am Abend zuvor später wurde, hatten wir viel Spass, gewannen aber, soweit ich mich erinnern kann, am ganzen Turnier nur 1 Spiel. Gegen wen weiss niemand mehr. Die Sonne war wirklich extrem. Darum verbrachten wir alle viel Zeit unter den am Rande installierten Duschen zum Abkühlen. Am Abend wurde jeweils, da das Essen ehrlich gesagt irgendwie enttäuschte (wir waren mit hohen Erwartungen angereist), zusammen gekocht und gegessen. Anschliessend begab sich die ganze Meute, meistens in Begleitung einer noch viel grösseren Meute zur grossen Wiese oder zu den Festbänken. Diese Nächte waren jedes Mal lang, begleitet von viel Flüssigem, Fangesängen, Pyrotechnik und neu entdeckten Freundschaften. So wurde ich die ganze Nacht, von einem Ecken in den Anderen getrieben, teilweise mit der festen Absicht mich endlich ins Zelt zu legen, jedoch unterwegs von irgendwelchen Engländer_innen, Polen_innen, Spanier_innen, etc. angehalten mit denen man etwas trinken sollte oder in lange Gespräche verfiel.

 

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Somit ist klar dass die starke Sonnenbestrahlung, gemischt mit wenig Schlaf, zu frühen Morgenstunden teilweise schwer auf die Laune drückte. Trotzdem absolvierten wir alle Spiele beinahe unverletzt, nur unsere Torwart brach sich einen Finger.

Am Sonntagabend ging es noch einmal richtig zur Sache: nach den Finalspielen begannen die Konzerte. Es spielten 99 Posse, Reggae aus Neapel und Los Fastidios, welche ich schon oft gesehen habe. Trotzdem ging es ziemlich rund, das Zelt war rot im Schein der Pyros und die Ausgelassenheit der Besucher dröhnte laut in den Ohren. Diese Nacht ist mit zwar gut aber lückenhaft in Erinnerung. Ich weiss nur noch dass wir plötzlich mit den Rosinenbombern auf einem „ausgeliehenen“ Traktor über das Gelände heizten, mit dem Ziel die Geisslein des Bauern zu befreien…

 

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Die Sonne trieb auch am nächsten Morgen erneut die bleichen Gesichter reflexartig aus den Zelten, das Ziel, ein schattiges, stilles Plätzchen zum Weiterdösen. Gegen Mittag waren wir dann wieder so ziemlich komplett, die Eine oder der Andere wurde an Orten gefunden welche nicht zum Schlafen konzipiert wurden. Schnell verbreitet sich das Gerücht, das sich Geisslein auf dem Gelände herum treiben, einige sollen sogar in Zelte eingedrungen sein…

Nun wurden die Transparente abgehängt, das Material verstaut und alles gründlich aufgeräumt. Man traf sich zum letzten Mal mit den neuen Freunden und Bekannten um Kontakte auszutauschen und einander einzuladen, zu Fussballspiele, Konzerte oder Partys.

Im Car schliefen die meisten schnell ein, angekommen in Bellinzona, deckte man sich erneut mit Getränken ein um den ganzen Ausflug steil abzurunden. Die After-Party ging in Solothurn weiter bis am frühen Morgen…

 

Auch für dieses Jahr stehen wieder Pläne um die Mondiali zu besuchen. Es ist ein riesiger Anlass, welcher über all die Jahre seine Ideale eingehalten hat, der seine Botschaft über den Fussball und allgemein Sport zu den Leuten trägt. Natürlich muss man sagen, dass viele der Teams bereits sehr aktiv in die politische Szene und in die Ultragruppierungen eingegliedert sind. Es ist aber schön zu sehen, dass neben dem Fussball viele Themen wie Sexismus, Homophobie und Anti-Kapitalismus thematisiert und informiert wird und sich die Leute aus allen Ecken der Welt austauschen. Somit empfehle ich es Jeder und Jedem die Mondiali Antirazzisti zu besuchen.

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Hier noch einige Impressionen vom letztjährigen Anlass:

www.mondialiantirazzisti.org

www.antiracup.ch