Ein Bau – auf den Millimeter genau

Endlich! Die letzten Handwerker haben den Bau verlassen. Der Architekt hat die Schlüssel dem Bauherrn übergeben. Das Ladenlokal ist bezugsbereit. Gross ist die Vorfreude aller beteiligten Personen – gross ist auch die Gefahr, dass in der Euphorie ein wichtiger Prozess vernachlässigt wird: Die Bauabnahme

Nach einer 6-monatigen Umbauzeit der Luxusboutique Hermès fand am 13. Oktober 2013 die Bauabnahme unter Beteiligung des französischen Architekten, des Bauherrn, der lokalen Fachplaner, der Handwerker sowie unserer Präsenz als lokaler Architekt statt.

Hermès ist ein traditionelles französisches Familienunternehmen, welches sich der Herstellung von Luxus-Modeartikeln widmet. Das Sortiment, das über ein internationales Netzwerk von Boutiquen weltweit angeboten wird, umfasst hochpreisige Lederwaren wie Handtaschen und Schuhe. Auch Schmuck, Uhren, Kleidung, Accessoires, Parfüms und Porzellan wird im obersten Preissegment angeboten.

Pünktlich um 9 Uhr startete die Abnahme gemäss Terminprogramm. Auf der Traktandenliste standen  Abnahme von Boden-, Wand- und Deckenbeläge, Elektro- und Sanitärinstallationen sowie die komplette Möbelausstattung des Schreiners. Während eines Rundgangs durch die Boutique wurden die einzelnen Bauteile gründlich begutachtet und vorhandene Mängel in einem Abnahmeprotokoll festgehalten.

Als erstes wurden die Bodenbeläge durch den französischen Architekten genauestens begutachtet. Das lebendige und harmonische Eichenparkett im Untergeschoss wurde zum Verhängnis. Die dunklen Stellen im Holz, welche sich als Holzknorze entpuppten, waren dem Architekten nicht genehm und die entsprechenden Holzlatten mussten ausgewechselt werden.
Hingegen das im Erdgeschoss verlegte Mosaik, bestehend aus kleinsten Keramikplättchen, entsprach den Vorstellungen des Architekten. Die Mosaikübergänge waren eben und das Fugenbild präzise.

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Das nächste Abnahmetraktandum waren Decken- und Wandbeläge. Die Decke wurde mit einer Kühldecke ausgestattet, die Wände standardgemäss aus Gips. Die eingebaute Kühldecke ist eine speziell entwickelte Decke, welche ein ebenmässiges und angenehmes Raumklima gewährt. Diese ist durch eine dünne Metallplatte gebaut, auf welcher Kupferleitungen den Wassertransport ermöglichen. Ohne jeglichen Mangel wurde die Decke abgenommen. Bei den Wänden hingegen kamen einige Punkte zum Protokoll. Einerseits wurden Rundungen nicht ebenmässig abgeglättet, andererseits auch Materialübergänge nicht sauber ausgeführt.

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Zum Schluss nahmen wir die gesamte Innenausstattung ab, welche durch einen Schreiner aus der Bretagne angefertigt wurde. Jeder kleinste Kratzer, die kaum erkennbaren Furnierfehler sowie ungenaue Ausrichtungen der Möbel wurden beanstandet und protokolliert. Selbst die Sockelleisten wurden mit dem Messband präzise auf die vorgeschriebenen 51 Millimeter nachgemessen.

Die Handwerker waren nun aufgefordert, die beanstandeten Mängel innerhalb einer Woche zu beheben. Nach vielen schweisstreibenden Arbeitsstunden, die Millimeter genauen Anforderungen des Bauherrn zu erfüllen, konnte die Boutique rechtzeitig eröffnet werden.

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