Food Waste ist ein Luxus

Problem Food Waste

Stellen Sie sich 140’000 Lastwagen vor, die, beladen mit Nahrungsmittel, eine Kolonne von Zürich bis Madrid bilden. So viel Nahrung wird in der Schweiz jährlich weggeworfen, was ein Drittel aller produzierten Lebensmitteln ist. Das meiste davon, ca. 45%, in den Haushalten. Doch auch in der Produktion wird viel Nahrung weggeworfen, weil die z.B. die Gurke krumm ist oder die Kartoffel nicht schön genug. Doch Food Waste entsteht nicht nur durch unsere hohen Ansprüche. Vieles geht auch verloren, weil es beispielsweise von einem Parasiten befallen ist und für den Menschen nicht mehr essbar ist. Dies nennt man Food Loss. 

Man unterscheidet dabei vermeidbare und unvermeidbare Lebensmittelabfälle. Zu den Vermeidbaren zählen Abfälle, welche einmal essbar waren, aber vergessen gegangen sind und nun nicht mehr geniessbar sind. Oft werden auch Nahrungsmittel weggeworfen, die eigentlich noch ess- und geniessbar wären, aber über das Verfallsdatum hinaus sind. Auch Lebensmittel, wie z.B. hartes Brot, welches den Tieren verfüttert wird zählt zu den vermeidbaren. 

Unvermeidbare Abfälle hingegen sind für den Menschen ungesund und ungeniessbar. Dazu gehören z.B. Käserinden oder Knochen vom Fleisch. Auch Esswaren, die trotz korrekter Lagerung von einem Krankheitserreger befallen sind, sind unvermeidbar.

Wieso werfen wir so viel Nahrung weg?

«… weil wir es uns leisten können». 

Jede Branche wirft aus unterschiedlichen Gründen Nahrung weg. Während der Produktion in der Landwirtschaft, gehen jährlich fast 300’000 Tonnen Lebensmittel verloren. Einerseits weil aus technischen Gründen nicht alles geerntet bzw. gelagert werden kann, andererseits werden nicht normgerechte Produkte wie z.B. zu grosse Äpfel, unförmige Kartoffeln, krumme Gurken etc. 30% der verschwendeten Nahrungsmittel gehen in der Verarbeitungverloren. Die dabei entstehenden Nebenprodukte, wie z.B. die Molke bei der Käseherstellung, können nicht weiter verwertet werden. Weiter werden beim Transport einige Lebensmittel beschädigt und können so nicht mehr verkauft werden. Wenn im Handel die Lebensmittel das Verkaufsdatum überschreiten, dürfen diese nicht mehr verkauft werden und werden ebenfalls entsorgt, auch wenn sie noch geniessbar wären. Liegengebliebene Frischprodukte wie Brot oder Gemüse werden auch weggeworfen. Der Endverbraucher kauft meist mehr ein als er eigentlich benötigt, lagert die Lebensmittel nicht optimal oder er schaut nur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum, statt auf seine Sinne zu vertrauen ob ein Produkt noch geniessbar ist oder nicht. In der Gastronomie werden oft zu grosse Portionen gekocht, so dass der Kunde nicht alles essen kann. Die Reste können natürlich nicht weiter gebraucht werden und werden entweder den Tieren verfüttert oder entsorgt. Auch in den Haushalten wird oft zu viel gekocht. Jedoch ist der Mensch nicht immer kreativ genug, etwas aus den Resten zu machen und wirft sie weg. 

Verglichen mit ärmeren Ländern wirft die Schweiz nicht unbedingt mehr Nahrung weg. Der grosse Unterschied liegt darin, wo die Lebensmittel verloren gehen. Wie oben erwähnt, geht in der Schweiz am meisten Nahrung in den Haushalten verloren. Ärmere Länder können sich Nahrung nicht weniger leisten. Daher schätzen sie es mehr und so gehen dort nur sehr wenig Lebensmittel verloren. Jedoch verlieren sie viel mehr Lebensmittel in der Landwirtschaft und der Produktion, da sie nicht auf dem gleichen Stand der Technologie sind, wie wir in der Schweiz. 

http://foodwaste.ch/was-ist-food-waste/

Folgen

Natur und Mensch leiden langfristig unter den hohen Lebensmittelverlusten. 30% aller Umweltbelastungen werden durch die Nahrungsmittelproduktion verursacht. Dadurch werden auch wertvolle Ressourcen wie Wasser verschwendet. Food Waste ist ein Luxus! Der Durchschnittsschweizer gibt pro Jahr ca. 1000 Schweizer Franken für Nahrung aus, die er am Ende wegwirft. Würden wir also bewusster einkaufen, kochen und Reste wiederverwenden, könnten wir jährlich eine Tausendernote zur Seite legen, um z.B. einmal mehr in die Ferien zu gehen oder uns sonst etwas leisten. Die Menge der CO2-Emissionen, die durch die Produktion der weggeworfenen Nahrungsmittel verursacht wird, verursacht ca. gleich viel wie 36% aller Autos in der Schweiz. Also ist auch der Klimawandel eine Folge von Food Waste. Natürlich wird auch Wasser wird zur Produktion benötigt. Umgerechnet verschwendet so ein einzelner Mensch 600 Liter Wasser pro Tag, was ca. sechs vollen Badewannen entspricht. Der Mensch will immer mehr. Dadurch steigt auch die Nachfrage nach Lebensmitteln, obwohl wir eigentlich genug hätten. Durch eine steigende Nachfrage, steigen auch die Preise. So werden auf dem Weltmarkt die Grundnahrungsmittel immer teurer, wodurch arme Menschen sich weniger leisten können und so leiden trotz des Überflusses an Nahrung immer noch knapp 1 Mrd. Menschen auf der Welt an Hunger.

ein Durchschnittsschweizer wirft Jährlich ca. 1000.- in Form von Nahrung weg.
Quellen:
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2 Gedanken zu „Food Waste ist ein Luxus“

  1. Das kannst was tun gegen Food Waste!
    Das finde ich ein guter Titel, weil er zugleich eine Aufforderung ist. Man merkt, da hat sich jemand gut mit dem Thema auseinander gesetzt. Es ist verständlich geschrieben. Vergleiche wie zum Beispiel “von Zürich bis Madrid ” helfen sehr sich die Fakten und Zahlen besser vorstellen zu können. Von der App “Too good to go” habe ich auch schon gehört und ich kenne auch einige die diese regelmässig verwenden. Hier wäre es spannend gewesen, wenn die Verfasser des Artikels die App selber getestet hätten. Man hätte mit der App auch einen Bezug auf Olten nehmen können und aufzählen, welche Unternehmen da mitmachen. Im Gross und Ganzes finde ich es eine sehr tolle Arbeit. Bei den Fotos war ich mir nicht immer sicher ob alle selber gemacht sind. Der Text ist sehr umfangreich und spannend geschrieben, auch das Quiz ist toll. Ich war erstaunt, dass der grösste Teil des Food Wastes von den Haushalten her kommt. Ich will in Zukunft durchdachte Einkaufslisten schreiben, damit auch ich etwas gegen weniger Food Waste beitragen kann.

  2. Man merkt wie sehr ihr euch mit diesem Thema auseinander gesetzt habt. Dieser Artikel hat mich von Anfang bis ende gefesselt und habe nun wirklich ein schlechtes Gewissen. Der sprüch das wir Foodwaste betreiben weil wir es uns leisten können hat mich persönlich getroffen. Es toll das ihr das thema mit so vielen Beispielen geschmückt habt weil es sich die Leser dann auch besser vorstellen können (140’000 Lastwagen von Zürich bis Madrid!!! Das ist ja mal krass). Ausser dem habt ihr auch hammer Bilder mit einbezogen die Perfekt ins Thema passen. Der Apfel auf dem Mac hat mich sehr zum lachen gebracht, das ist meiner Seits das beste Foto. Gutes Thema, bessere Auseinandersetztung. Gute Arbeit.

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