Generation «Maybe»

Bereits ist wieder eine neue Generation am heranwachsen. Diese Generation, die einst schlicht und einfach die «jüngere» hiess, erhielt ein neues Etikett. Etikett? Maybe? Was genau verbirgt sich nun hinter der Gesellschaft und dessen Namen?

Be a Maybe

Es war offenbar eine erfolgreiche Werbekampagne des grössten Tabakkonzerns der Welt, die aber vor Gericht diskussionslos untersagt wurde. Der Slogan des Konzerns, der auf allen Plakatwänden zu sehen war, forderte dazu auf, kein Frosch zu sein und eine Zigarette anzuzünden. Top aktuell zum Thema: «Don’t be a Maybe. Be Marlboro.»

Mit diesem Spot schaffte es der Tabakkonzern «Marlboro», vor allem die jungen Menschen anzusprechen, auf die laut internationalen Gesetzen keine Tabakwerbung gezielt werden darf.

Der «Maybe», der Zauderer und Zögerer der vielleicht mit dem Rauchen aufhören will, der sich vielleicht verabreden wird, der auf «Vielleicht» verharrt, ist zum Inbild einer ganzen Alterskohorde geworden. Jedenfalls heisst es so in einem soeben erschienenen Buch («Generation Maybe») das von dem Journalisten Oliver Jeges verfasst wurde.

Bunte Liste

Wie auch immer, die Liste der weiteren Maybe-Merkmale ist bunt. Der typische «Maybe» ist weder links noch rechts, weder Fisch noch Fleisch – und isst auch nicht ungern vegetarisch oder vegan, macht daraus aber keine grosse Sache; er oder sie lebt – open minded – im globalen Netz und ist gut ausgebildet. Jedoch aber, ohne feste Stelle, was auch, aber nicht nur an den sich wandelnden Arbeitsverhältnissen liegt. Ein «Maybe»passt sich an, achtet aber auf ihr Arbeits- und Privatleben; sie können alles, wollen vieles, schuften sich aber nicht zu Tode, sind sogar bisweilen leistungsskeptisch. Sie sind politisch aktiv, können aber mit der herkömmlichen Politik wenig anfangen. Sie sind konfliktscheu und politisch eher korrekt. Entspannt, aber doch mit der Angst, im Gefühl zu leben, auf der Stelle zu treten.

 «Why?»

Man streitet sich um die Gründe -warum- diese Generation sich in diesem Wandel befindet. Möglicherweise ist das -warum- nur eine aktivierte Variante von  «Vielleicht» Warum sollten wir der Bildung wegen auf unser eigentliches Leben verzichten? Genau darüber streiten sich Experten. Wo die Einen eher Ratlosigkeit wahrnehmen, nehmen die Anderen ein stilles Aufbäumen wahr. Ob sich nun ein übergreifendes «Wir-Gefühl» entwickelt oder ob sich die Jugend zu einer Horde «Egozentriker» entwickelt ist offen.

«Vielleicht» aber, gibt es eine zeitgleiche Gegenströmung. Genau darum ist es nicht leicht Generationen treffend zu charakterisieren. In Sozialwissenschaften ist wegen der mangelhaften Anhaltspunkte und der willkürlichen Interpretationen der Wissenschaftler das Konzept einer Generation nur vage herauszulesen. Freilich sind Generationen keine Akteure, ebenso wenig wie eine Epoche, sowie ein Jahrzehnt keine Person ist.

Der Ausdruck «Generation» ist ein weiträumiger Begriff, der von verschiedenen Personen zum Ausdruck von Herkunft, Situation und Identität kultureller Gruppierungen im Volksmunde missbraucht wird. Es gibt wahrscheinlich sogar mehr Generation-Bezeichnungen als es Generationen gibt. Es wird vermutlich auch immer Weitere geben, da es Generationen so lange gibt, wie der Mensch es für nötig Hält der Strom der Gesellschaft klassifizieren zu wollen. Womöglich werden neben und nach der «iPhone-Generation» und der «Maybe» bald auch die «Generation-Doof», die «Hipster» und was auch immer für Generationen ins Leben treten.

Vielleicht wird dereinst von der Generation derer gesprochen werden, die – verzweifelt? fröhlich? – neue Generationen erfunden haben, um herauszufinden, wer sie sind. – Vielleicht.