Projekt: Weihnachtsplakat

Weihnachten, ein Fest der Liebe und der Geschenke. Wer mag nicht das Rascheln von Geschenkpapier und die glänzenden Augen der Kinder beim Auspacken. Doch vorher mussten die Geschenke ausgewählt und eingekauft werden. Die Entscheidung, welche Produkte man auswählt, wird meist unbewusst aufgrund von Werbung getroffen. Die Reklame war und ist ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft.
In dieser selbstständigen Projektarbeit für das Fach Gestalten will ich mich mehr mit der Werbung auseinandersetzen und ein Weihnachtsplakat kreieren.

Vorbild, Recherche und Idee

Mein Vorbild sind Plakatentwürfe von Peter Behrens aus dem Jahr 1910. Er schuf sie für die Firma AEG in Berlin. Er war ihr künstlerischer Berater und zuständig für die Gestaltung sämtlicher Produkte, der Grafik, der Werbemittel und der Architektur. Er gilt als der erste Corporate Designer weltweit. Er war also verantwortlich für das einheitliche Erscheinungsbild des Unternehmens.
Mich fasziniert die frühe Werbung und ihr Design, darum habe ich dieses Vorbild gewählt und ich möchte mich, wie schon erwähnt,  in diesem Projekt mit der Werbung auseinandersetzen.

Plakatentwürfe von Peter Behrens
Plakatentwürfe von Peter Behrens

Die Anfänge der Werbung sind bescheiden. Man kannte zwar seit Beginn des 18.Jhd. Plakate und Anschläge mit zum Teil langen erläuternden Texten und vereinzelten, selten kolorierten, Illustrationen. Aber das optische Erscheinungsbild der Papierplakate änderte sich bis zur Mitte des 19.Jhd. nicht wesentlich. Es waren Blätter mit kleinteiligen grafischen Abbildungen und ausführlichen, kleingedruckten Texten ohne jede Fernwirkung. Dadurch verfehlten sie ihren eigentlichen Zweck, nämlich kurz, präzise und auffällig für eine Ware, Veranstaltung oder eine Idee zu werben. Die Plakate und angeklebten Handzettel hatten trotzdem eine enorme Bedeutung für die damalige Kommunikation. Alle wichtigen Informationen und Werbungen wurden so dem Publikum nahegebracht.

Die Erfindung der Lithografie und die Pochoir-Technik, sie ermöglichte die farbige Gestaltung der Lithografien, führten zu einer grosszügigen und farbigen Plakatherstellung. Ab 1900 fand die Werbung in allen Bereichen eine nie dagewesene Verbreitung und als die Kaufleute und Produzenten die Reklame als geeignetes Mittel erkannt hatten, gab es bald keine Branche mehr, die nicht davon Gebrauch machte. Der Wirtschaftssektor nutzte und brauchte Plakatwerbung zur Ankündigung neuer Waren. Er wollte Kunden auf Einkaufsmöglichkeiten hinweisen, seine Produkte bekannt machen und immer wieder in Erinnerung bringen, sowie Sonderangebote verlockend darstellen.

Es gibt viele künstlerische und grafische Gestaltungsarten, aber erst ganz bestimmte Kriterien machen aus einem Entwurf ein Plakat. Es muss massenwirksam, auffällig, von fern gut sichtbar, lesbar und aussagekräftig sein, sowie sich an verschiedenen Stellen der Stadt in grossem Format wiederholen. Der Passant soll auch, ohne sich länger aufhalten zu müssen, auf einen Blick den Namen der Firma oder des Geschäfts gelesen haben. Schon früh hat man erkannt, dass man grösstmögliche Verkaufserfolge erzielen kann, wenn die gesamte Werbestrategie hinter einem gemeinsamen Vorzeichen steht, also ein Logo oder Label.

Da vor kurzem Weihnachtszeit war und ich Weihnachten liebe, habe ich mich gefragt, ob es auch Weihnachtsplakate gibt. Ich habe lange recherchiert, aber kein Exemplar gefunden. Da kam mir die Idee, ein Weihnachtsplakat eines Kaufhauses zu machen und zwar in Anlehnung an die 20er und 30er Jahre, eine Blütezeit der Werbung.

Gestalterische und technische Experimente

Ich sammle seit einiger Zeit alte Postkarten mit verschiedenen Motiven die mir gefallen. Darunter sind auch solche mit Weihnachtsmotiven. Von diesen habe ich mir ein paar ausgesucht und auch ein paar «Neue» gekauft. Ich habe alle eingescannt und die schönsten mit Photoshop bearbeitet.

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Zudem habe ich mit Photoshop das Logo eines fiktiven Kaufhauses in Wien kreiert. Den Namen «Kaufhaus zur Krone» habe ich zum einen gewählt, weil es in Olten ein «Kaufhaus Krone» gibt und mir der Name gefällt, zum anderen weil er gut zu Wien passt. Ich war in den Herbstferien in Wien und dort gibt es viele alte und wunderschöne Kaufhäuser, darum wurde Wien zum Standort meines fiktiven Kaufhauses. In diesen Einkaufsparadiesen von damals verkehrte nur die bürgerliche und  gehobenere Gesellschaft, die es sich leisten konnte, Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

Da in Wien zudem sehr lange die Habsburger herrschten und ich ein Faible für Kronen und Staatsschätze der Monarchen habe, habe ich noch eine Krone dem Logo dazu gefügt.

Selbst kreiertes Logo
Selbst kreiertes Logo

Von den bearbeiteten Postkartenmotiven habe ich drei ausgewählt und im InDesign verschiedene gestalterische Anordnungen ausprobiert und zum Teil wieder verworfen.

Reflexion und Analyse

Von den drei Motiven sind zwei davon alte Photos. Das Eine ist schon im Original farbig koloriert, beim Anderen habe ich mit Photoshop die Geschenke eingefärbt. Die Motive gefallen mir sehr gut und passen auch zum Thema, aber ihre kleine Grösse hat mir Sorgen bereitet. Wie unscharf werden sie, wenn sie auf A3 ausgedruckt sind? Auch war bei den Beiden die Anordnung  und Gestaltung mit der Schrift und dem Logo nicht einfach für mich. Ich kam auf keine zufriedenstellende Lösung. Beim dritten Motiv handelt es sich um einen Scherenschnitt von etwa 1920 mit Weihnachtsbaum und kleinen Putten die Geschenke bringen. Ich habe das Motiv so bearbeitet, dass der Hintergrund weiss erscheint und das Schwarze stärker hervorkommt. Auch habe ich die «Frohe Weihnacht» – Botschaft wegretuschiert, um dort das Logo des Kaufhauses zu platzieren. Bei diesem Motiv ist mir die Gestaltung des Plakats leichter gefallen und es gefällt mir auch sehr gut. Darum habe ich mit diesem Entwurf weitergearbeitet.

1.Entwurf
1.Entwurf
2.Entwurf
2.Entwurf

Konkretisierung

Beim «Scherenschnitt» – Entwurf platzierte ich im schwarzen Bereich unterhalb des Weihnachtsbaums einen Spruch, um die Kunden anzusprechen und zu sagen, dass man die schönsten und besten Weihnachtsgeschenke im Kaufhaus zur Krone kauft. Ausserdem habe ich mit der Schrift experimentiert und eine gesucht, die zum Logo passt und sich trotzdem abhebt. Dies dauerte eine Zeit, aber am Schluss habe ich eine gefunden, die feine Seriphen hat und zum Logo und der Zeit der 20er und 30er Jahre passt. Den Rahmen habe ich schwarz eingefärbt um das Motiv noch stärker hervorzuheben. Ausserdem versah ich den Rand mit Sternen, die diejenigen wieder aufgreifen, die um den Weihnachtsbaum gewickelt sind. Die Sterne symbolisieren auch den Himmel und den Weihnachtsstern, ein christliches Symbol. Sie stehen für himmlische Geschenke, also qualitativ hochstehende und schöne Objekte, die im Kaufhaus zur Krone zu finden sind. Ich habe die Sterne gelb eingefärbt, damit sie das Plakat noch deutlicher hervorheben.

Fertiges Plakat
Fertiges Plakat

Schlussreflexion

Das endgültige Plakat gefällt mir sehr gut, obwohl ich zwischendurch kleinere Krisen hatte, weil mir die Gestaltung nicht so gelang, wie ich sie mir vorstellte. Ich habe viel gelernt bei diesem Projekt, speziell auch in der Werbegestaltung und im Umgang mit InDesign. Was ich anders machen würde, wäre vielleicht ein Produkt zu suchen, für das es schon Werbebeispiele aus dieser Zeit gibt. Denn manchmal war es schon schwierig zu entscheiden, wie man das jetzt gestaltet und anordnet ohne ein zeitgemässes Plakat zur Hilfe zu nehmen. Doch ich habe grosse Freude an meinem Ergebnis und ich denke, es gleichzeitig verspielt und klassisch und dennoch dem fortschrittlichem Zeitgeist der 20er und 30er Jahre angelehnt.