Schwarzer Schatten über Giglio

Kennen Sie Giglio?

Giglio ist eine kleine, friedliche Insel in der Toskana, Italien. Am 13. Januar 2012 um 21:45 wurde das Bild Giglio‘s jedoch durch ein Kreuzfahrtschiff getrübt. Die Costa Concordia kollidierte in der Nähe des Hafens  mit einem Felsen.

Ähnlich wie bei der allbekanten Tragödie der Titanic, verursachte der Felsen einen 70 Meter langen Riss in den Rumpf des Bootes.
Den Passagieren wurde zunächst mittgeteilt, dass es sich wegen fehlender Elektrizität bloss um ein Problem mit der Energieversorgung handle. Später um 22:30 Uhr ertönte das Signal, welches zur Evakuierung führte. Zum Unglückszeitpunkt befanden sich 4229 Passagiere, darunter etwa 1000 Besatzungsmitglieder auf dem Schiff.
Da es ziemlich rasch 65 Grad Schlagseite erlangte sprangen einige Passagiere über Bord und schwammen ans nahegelegene Festland. Die restlichen wurden bis etwa 04:45 Uhr, von diversen Schiffen, Fähren und letztlich auch Hubschraubern gerettet. Leider gelang nicht allen Passagieren die Flucht aus dem Unglückskreuzer. So forderte dieses Manöver 32 Todesopfer.

Gegen den Kapitän des Schiffes, Francesco Schettino läuft nun ein Verfahren, welches ihm mehrfache fahrlässige Tötung, Herbeiführung eines Schiffbruchs anlastet.
Es waren keine Detailkarten der Insel an Bord, weswegen ihm das nahe Manöver als grob fahrlässig vorgeworfen wird, wie auch das frühzeitige Verlassen des sinkenden Schiffes und somit die Zurücklassung der Hilfsbedürftigen.

Am 22. März 2012 wurden der Costa Concordia etwa 2200 Tonnen Schweröl ausgepumpt um grössere Umweltschäden zu vermeiden. Mit hilfe von Winden und «Kissen», welche sowohl geflutet wie auch mit Luft gefüllt werden können, wurde das Schiff am 16. Und 17. September 2012 wieder in Eine senkrechte Position befördert um sie dann im Herbst 2014 im Hafen von Piombino zerlegt werden.

Meine Reise nach Giglio.

Letzten Sommer 2013 fuhr ich mit meinen Eltern in die Ferien nach Italien. Üblich für unsere Familienferien in der Toskana sind die Tagesauflüge, geplant von meinem Vater. Durch die Bekanntheit welche die Insel trauriger weise durch dieses Unglück erlangte, weckte die Insel auch unser Interesse und wurde unser Ausflugsziel.
So nahmen wir die Autofahrt nach Porto Santo Stefano auf uns um dort mit der Fähre nach Giglio zu gelangen. Nach einer Fahrtzeit von etwa eineinhalb Stunden erreichten wir die Insel. Da es ein sonniger und warmer Tag war, sassen alle Passagiere an Deck der Fähre. Als wir uns dem Land näherten stürmten fast alle Menschen an den Bug-Teil, ich dagegen sass noch gemütlich  auf den Bänken vom Heck und genoss die Sicht auf die zurückgelegte Strecke. Nach dem sich die Fähre wendete um in den Hafen einlaufen zu können bemerkte ich plötzlich das Schiffswrack direkt hinter uns. In dem Moment wurde mir bewusst wie real und zudem wie schrecklich es doch ist, dass die Fähre mehrmals am Tag so nahe an dem Geschehenen vorbeifahren muss.

Foto, von meiner Handykamera
Foto, von meiner Handykamera

Giglio ist eine sehr schöne, kleine Insel, die einen Hügel und vielen kleinen Dörfer im romantischen, toskanischen Stil verteilt beherbergt. Wenn man um die Insel fährt, werden kleinere Touristenfreundliche Orte entdeckt. Durch den Rummel, welcher das Schiff mit sich brachte leidet nun die Insel. Die Besucherzahl der Insel wird heute weniger durch Touristen, die gemütlich in den Gässchen ein italienisches Bier geniessen geprägt als von Schaulustigen, die Strassen blockierend versuchen einen weiteren Schnappschuss des Wrackes zu schiessen.
Ein trauriges Schicksal, welches eine ganze Insel Prägt.