Snowboarden – So einfach wie es aussieht?

Die ersten wackligen Schritte eines blauäugigen Neugeborenen. Ein erstaunliches und zugleich beeindruckendes Ereignis. Auf seinen kleinen speckigen Beinchen versucht es das Gleichgewicht zu finden. Faszination pur, wenn es dies endlich geschafft hat, jedoch ein mühseliger steiniger Weg mit vielen Hindernissen und „Auf-Die-Windel-Fall-Momenten“. Genauso fühlte ich mich als ich zum ersten Mal auf einem Snowboard stand.

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Ein strahlend schöner sonniger Tag, der Duft von Tatendrang und einer Prise Verrücktheit lag wieder einmal in der Luft.  Wir stemmten uns aus den Bergen von eingepackten Daunenfedern heraus und wälzten uns aus unseren knarrenden Holzbetten.  Durchs grosszügig geschnittene Fenster hindurch liess sich ein wunderschönes Bild der romantisch verschneiten Landschaft vom kleinen verwinkelten Dörfchen Saas-Fee erspähen. Die machte auch sogleich die entzogene wohlige Wärme der soeben verlassenen Bettlaken wieder wett. Mit einem letzten tiefen Gähnen starteten wir in den Tag mit einem vorzüglichen Frühstück inklusive einer Tasse frisch fruchtig aufgebrühtem Tees. Gut eingepackt mit unseren Wind und Wasserfesten Ski und Snowboardjacken machten wir uns auf, möglichst leise durchs hellhörige Treppenhaus zu huschen um danach unsere gut gewachsten schneebezwingenden Fussuntersetzer aus ihrem Gefängnis aus Holz und Stahl zu befreien, um ihnen diesen exquisit schönen Tag nicht vorzuenthalten. Sie warteten schon sehnsüchtig in ihren düsteren Verliesen auf ihre ritterliche Befreiung und liessen sich schlussendlich bereitwillig unter die Arme klemmen. Die schwebende Blechbüchse wartete schon auf unseren beehrenden Besuch, und ratterte schliesslich leicht schwankend mit uns durch die beschwingenden Höhen. Hie und da streifte sie eine Wolke, die Gute glich den seichten Aufprall jedoch mit ihrer langjährigen Erfahrung leichtfertig aus. Angekommen in den luftigen Höhen und wieder mit beruhigend festem Grund unter den in Skischuhen eingepressten und kaum noch durchbluteten Füssen, schnallten wir uns unsere treuen Gefährten an die Füsse und schwupps… kurvten sie leichtfertig elegant die monströse exorbitante Erhebung, die man umgangssprachlich, wie mir zu Ohren kam, Berg nennt, herunter. Für eine Skifahrerin wie mich mit langjähriger Erfahrung auf diesem Fachgebiet war dies mit meinen treuen, zweiteiligen und vierschneidigen Untertanen an den Füssen trotz meiner unabkömmlichen Unsportlichkeit keine grosse Herausforderung. Ganz anders sollte es mich am Ende dieses ereignisreichen Tages noch treffen.image-9

Die ersten Schritte

Beeindruckt und voller Sehnsucht an vergangene Tage betrachtete ein befreundetes weibliches Wesen meine zweiteiligen Bretter, und etwas Neid glitzerte in ihren wunderschönen Rehaugen. Wie gerne würde sie wieder einmal mit zwei gewachsten Brettern unter den Fusssohlen den weiss bestaubten glitzernden Berg heruntergleiten und ihren Füssen eine ausgiebige Bewegungsfreiheit bieten, die es auf ihrem einteiligen Hipster-Untersetzer zu vermissen gilt. Dieses feenhafte weibliche Geschöpf wurde leider mit den selben Quadratlatschen wie ich gesegnet, und so schlossen wir einen Pakt; Wir tauschten gegenseitig die Teufelsbretter mitsamt dem gut beschaffenen Schuhwerk. Als eingefleischte Skifahrerin übte ich mich zuvor noch nie auf einen gewachsten einteiligen Brett, doch wollte ich schon immer mal in den Genuss dieser höllischen Erfahrung kommen.  Mit zweischneidigen Gefühlen schnallte ich mir dieses Teufelswerk an die Enden meiner mich tragenden Gliedmassen, und liess mich auf das Abenteuer ein. Freundlicherweise wurde mir bei diesem Unterfangen von einer guten Seele geholfen. Und mit einem Mal konnte ich nachfühlen, wie sich ein gefangenes, gefesseltes und gefoltertes menschliches Wesen fühlen muss. Meine Füsse wurden durch die Schnallen des Brettes stranguliert, ich konnte sie keinen Millimeter mehr verrücken. Alles Zappeln und Zucken half nichts. Sie waren in eisernen Gebilden gefangen. Ich versuche mich zu erheben doch meine zu sch mächtig geratenen Kraftdepots wollten mich in diesem historischen Moment nicht unterstützen. Mit fremder Hilfe konnte ich mich schliesslich aus dem kalten kristallenen Nichts erheben. Begeistert versuchte ich die Kurve zu kriegen, musste jedoch feststellen, dass dies nicht das am einfachsten zu erfüllenden Begehren war. Immerhin schaffte ich schlussendlich nach mehrmahlig wiederholtem mühsehligen Bergheraufgekraxel, Aufstehversuch und etlichen auf-Po-fall-Momenten ein oder zwei kleinere Kürvchen. Für ein überragendes Erfolgserlebnis reichte dieses Ergebnis allemal. Mit riesiger Erleichterung und einigen vergossenen Schweisstropfen auf der zum Glück heilgebliebenen Stirn konnte ich endlich meine Fortbewegungsgliedmassen aus ihren Strangulationen befreien. Anschliessend freuten sich meine strapazierten Nerven über einen gelungenen, feucht fröhlichen Abend beim verdienten Aprés-Ski.