Turbulenzen mit Hund

Heut zu Tage kann man alles im Internet bestellen: Kleider, Schuhe, Electronic-Kram, ja sogar Tiere.
Vor ein paar Monaten sah ich im Internet ein Inserat einer Hobbyzüchterin aus einem benachbarten Land, die Australien-Shepherd Welpen zu verkaufen hatte. Wir suchten schon eine Zeit lang in der Schweiz nach einem kleinen Begleiter doch leider hatten wir nichts gefunden. So nahmen wir mit ihr Kontakt auf für das mögliche Geschäft. Bevor wir zusagten und die Sache abschlossen vergewisserten wir uns jedoch das diese Frau wirklich Züchterin war. Wir fanden raus: Ja, war sie. Nur was für eine…

Yeah, 15. August. Endlich. Alles war vorbereitet: Eine kuschlige Decke, Plüschtiere, diverse Spielzeuge uns sogar ein riesiges Kissen für den kleinen Welpen, dem wir inzwischen den Namen Cheveyo gegeben hatten.

Die Fahrt verlief super, wir waren schnell am Ort. Ein mehr oder weniger grosses Haus mit Garten, am Rande eines Dorfes. Der Kleine muss es wohl gut gehabt haben. Nach der langen und nur ein bisschen ‚versaberten‘ Begrüssung (Seiten Cheveyos und seiner Mama), ging‘s ans Geschäft. Ich hatte den kleinen Welpen immer ein bisschen im Auge, und konnte daher gleich zugucken wie er im Wohnzimmer pinkelte. Als ich die Züchterin darauf Ansprach, meinte sie bloss: „Jaja, ich wisch’s dann weg.“

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Als nächstes wurde uns derkleine Cheveyo ausführlich vorgestellt und zum ersten Mal erwähnt, dass er einen Nabelbruch hatte. Aber dies sei halb so schlimm, die Mama hätte die Nabelschnur zu nahe abgebissen. Das verwachse mit der Zeit. Und wenn nicht, könnte man die Rechnung der nötigen Operation schicken, sie würde bezahlt werden.

So, Geschäft abgeschlossen, den langen Rückweg gemeistert, alles war im Lot. Irgendwann zu Hause merkte ich jedoch, dass der Kleine komisch kaut. Nach einer gründlichen Untersuchung meinerseits, fiel ein schwarzer Zahn auf. Wir beschlossen zum Tierarzt zu gehen, um abzuchecken ob er schon eine Infektion hatte, was sehr schmerzhaft werden könnte.
Nein, alles in Ordnung. Jedoch musste der Zahn operativ entfernt werden, weil man Welpen bei solchen Eingriffen betäuben muss. Aber nicht nur das: Als der Tierarzt den Kleinen untersuchte, fiel ihm der Nabelbruch auf. Er fragte uns wieso er noch nicht wegoperiert worden war, Nabelbrüche könnten für Hunde schnell tödlich enden.

Er erklärte uns, dass man Nabelbrüche mit ungefähr 6 Wochen entfernt, wenn überhaupt einer vorhanden war. Theoretisch dürfte man gar nicht mit einem Hund züchten, welcher einmal einen Solchen hatte, denn diese seien vererbbar.
Der Kleine wurde also so schnell wie möglich operiert.
Ich schrieb der Züchterin. Sie gab sofort Antwort und sagte uns wir sollten sie auf dem Laufenden halten, was denn Zustand des jungen Hundes anbelangt. Wie nett.
Nun ja, gesagt, getan.
Wir tauschten Nachrichten aus und sie schien sich wirklich für den kleinen Cheveyo zu interessieren. Bis ich wie abgemacht die Rechnungschickte. Ab da an hörte ich nie mehr was von ihr.

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Cheveyo hatte im Grossen und Ganzen leider einen schwierigen Start in die Welt. Ich weiss nicht wie er die ersten 10 Wochen seines Lebens verbracht hat. Und ich weiss nicht was passiert wäre, wenn wir ihn nicht gekauft hätten. Wäre er schon am Zahn gestorben? Oder hätte man ihn weggegeben weil er die ersten Wochen nochmal fast gleichviel gekostet hatte wie der ursprüngliche Verkaufspreis? Ich werde wütend wenn ich daran denke, dass dieser kleine Fratz (und auch andere Tiere) nur da sind um Geld zu scheffeln. Die Gesundheit ist egal. Hauptsache ist, dass man möglichst schnell, viel Kohle abstauben kann.
Dafür hat man keine Tiere!
Es ist auch schade, dass ich jetzt einen schlechten Eindruck von Hobbyzuchten habe. Vielleicht lieg ich ja falsch?

Fest steht, der kleine Cheveyo gehört trotz der Strapazen und dem ewigen Reinpinkeln (was er übrigens seit kurzer Zeit nicht mehr tut) zu den besten Dingen, die mir in meinem bisherigen, kurzen Leben passiert ist.

rahel.studer@hotmail.com'

Rahel Studer

Bekleidungsgestalterin Pianistin Erfolgreiche Ananaswerferin erfolgloser Meister im Sprintsackhüpfen

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2 Gedanken zu „Turbulenzen mit Hund“

  1. Ich denke Hobbyzüchter können durchaus seriös sein, jedoch muss man diese erst einmal finden. Man hört ja immer wieder von Fällen, in welchen Tiere in unmöglichen Verhältnissen gezüchtet werden.
    Ich bin froh dass der kleine Schnügel bei dir ein gutes Zuhause gefunden hat.

    1. Lieb Miriam
      Danke für deinen Kommentar. Ja, der Kleine hat Glück gehabt.
      Ich habe in der Zwischenzeit auch von anderen positiven Erfahrungen gehört, wie ein Pferde-Kauf in Deutschland oder von jemandem, der auch wie ich einen Hund gekauft hat.
      Vielleicht habe ich ein bisschen Vorschnell reagiert als ich wegen einer schlechten Erfahrung, gleich alles in den Schmutz gezogen habe. Jedoch wie gesagt hört man immer wieder von unmöglichen Fällen.

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