Typisch Pendler

Wenn man jeden Tag mit dem Zug fährt, fängt man mit der Zeit an, die anderen Personen im Zug zu beobachten. Es gibt ganz verschiedene Typen. Solche, die eher still und ruhig sind aber auch solche die durch irgend etwas auffallen. Diese Auffälligkeiten kann man stereotypisch zu Pendlertypen zuordnen. Ich habe euch ein paar herausgepickt und versucht, ihre Merkmale zu definieren.

Der Sounder

Wer kennt es nicht, man sitzt im ruhigen, stillen Abteil und hört immerzu ein Geräusch, das man nicht ganz zuordnen kann. Zu leise, um es zu deuten aber zu laut um es zu ignorieren. Ein stetiger gleichmässiger Schlag mit nervigen Zischlauten verfeinert, lässt einem keine Ruh. Die ganze Zeit über versucht man heraus zuhören, um welches Lied es sich handelt. Bevor man aber kurz vor der Lösung steht, wird einfach umgeschaltet und das ganze Spiel fängt von vorne an.
Das komplette Gegenteil vom stillen Sounder ist der Offensiv-Sounder. Dieser lässt einem nicht einmal die Möglichkeit das Lied zu erraten oder das «tsch, tztz, bumbum» mit eigener Musik zu übertönen. Es wird einem ohne Gnade und schamlos irgendeine beliebige und meisst unpassende Musik aufgedrängt. Meistens trifft man sie in Gruppen an. Wie ein Rudel ergötzen sie sich an ihrer lauten Musik und geniessen die Aufmerksamkeit der anderen. In diesem Fall muss man sich entweder wehren oder man hat Glück und sie spielen Musik, die einem gefällt.

Der Esser

Wenn man sich zu einer bestimmten Uhrzeit, beispielsweise früh Morgens, Vormittags, Mittags, Nachmittags, Abends oder mitten in der Nacht sich im Zug befindet, trifft man sie sehr häufig an. Die Esser. Es wird geschlemmt ohne Hemmungen. In sowohl Papier, wie Plastiktaschen, wie auch Becher, Flaschen und Dosen wird die Nahrung in den Zug transportiert und unverzüglich verzehrt. Jegliche Düfte von süss bis scharf, von würzig bis fad zieht durch die Luft. Dazu kombiniert hört man ein Konzert, vorgetragen von einem Ensemble von Apfelbeissern, Darvidaknabberer und Kaffeeschlürfern.
Wenn man zu dieser Zeit hungrig ist, kann dies einem in einen unbeschreiblichen Zustand versetzen. Also sollte man entweder gute Nerven haben, oder selbst zum Esser werden.

Schläfer

Sehr angenehme Mitreisende sind die Schläfer. Sie sind weder laut, noch essen oder reden sie. Sie entzücken aber mit ihren Bewegungen im Halbschlaf.
Die an der Scheibe runterrutschenden Gesichter, die nach hinten fallenden Köpfe und die zusammensinkenden Körper unterhalten meist alle Beobachter. Das Amüsanteste an den Schläfern ist aber, wenn sie abrupt erwachen, nicht wissen wo sie sind und dann erst realisieren das ihr Schlaf den ganzen Zug unterhalten hat. Also am besten immer ein Auge auf die Schläfer haben, um diesen Moment nicht zu verpassen.

Die Stimmdominanten

Besonders interessant wird es, wenn man sich im gleichen Abteil befindet wie ein Stimmdominanter. In einem solchen Fall wird man häufig ungewollt mitten in ein meist sehr privates Gespräch integriert. Man kann weder auf Zensuren noch auf Diskretion hoffen. Mit einer sehr dominanten Lautstärke wird einem überflüssige Informationen aufgedrängt. Obwohl man sich bemüht nicht hinzuhören, weiss man am Schluss überraschend viel über diese völlig fremde Person.
Also am Besten während der Zugfahrt ein eigenes Gespräch führen oder einfach zum Sounder werden.

1. Klässler

Gerne würde ich euch etwas über die 1.Klassreisenden erzählen. Dies ist aber nicht möglich, da ich sie leider immer nur beim ein- und aussteigen beobachten kann.
Ihr Reiseverhalten ist mir also nicht bekannt.

Wenn ihr das nächste Mal im Zug sitzt, achtet euch doch mal auf diese verschiedenen Typen und versucht heraus zufinden, ob ihr zu einer dazu gehört.

 

Quellen

Titelbild: http://de.wikipedia.org/wiki/Stadler_Flirt#mediaviewer/File:Triebzug_Typ_Stadler_Flirt_(SBB-Baureihe_RABe_521)_Innenaufnahme_(Wiesentalbahn_S6).jpg

Leda Fluri

Schülerin an der GBM Olten und gelernte Schneiderin.

More Posts

3 Gedanken zu „Typisch Pendler“

  1. Liebe Leda

    Ich fand deinen Blogeintrag sehr amüsant und musste einige Male schmunzeln, denn deine Beischreibungen passen so gut zu den einzeln Fraktionen. Er liest sich wirklich sehr gut und ist verständlich.

    Während des Lesens, stellte sich mir die Frage, in welche Fraktion ich wohl gehören möge.
    Da ich aber meistens bevor ich das Haus verlasse, meine Kopfhörer schon in den Ohren habe, liegt es wohl auf der Hand, dass ich zu den «stillen Soudern» gehöre.

    Währen des Zugfahrens bemerkte ich, dass ich damit anfing die Mittfahrenden den verschiedenen Fraktionen zuzuteilen.
    Zu denjenigen Personen, die in der ersten Klasse fahre, kann ich dir leider auch nicht weiter helfen, da es mir wie dir geht und ich sie nur ein und aus Steigen sehe.
    Das, wird wohl ein Mysterium für sich bleiben.

    Eine weitere Fraktion, die mir aufgefallen ist, sind «die Arbeiter». Diese sitzen teilnahmslos vor ihren Laptops und man nimmt nur das schnell und nervende Tippgeräusch der Tastenanschläge wahr. Ganz ehrlich gesagt, gehöre ich langsam aber immer wie mehr auch dieser Fraktion an.

    Ich werde wahrscheinlich aufgrund deines Blogeintrags in Zukunft die Leute im Zug jetzt mit anderen Augen wahrnehmen.

    1. Liebe Alisha
      Es freut mich, dass dich mein Artikel amüsiert hat.
      Deine Ergänzung mit den Arbeitern ist wirklich gut. Diese sind mir auch schon aufgefallen und ich gehöre teilweise auch zu ihnen.
      Vielleicht finden wir in Zukunft noch mehr Sparten von Zugfahrern.

  2. Hoi Leda

    Auch mich hat dein Blogeintrag sehr amüsiert. Ich selbst habe schon sehr viel über die verschiedenen Varianten nachgedacht wie die Menschen/Schweizer pendeln. Als ich meine ersten richtigen Pendlererfahrungen gemacht habe, fuhr ich täglich von Solothurn auf Biel. Genau so wie du sie beschrieben hast, konnte ich diese verschiedenen Arten der «Jedentagzugfahrenmenschen» Tag für Tag im gleichen Wagon, ja sogar zum Teil auf dem gleichen Platz! beobachten. Und deine Beschreibungen kann man wirklich täglich im Zuge antreffen.

    Natürlich gibt es noch viele viele weitere Pendlerpersönlichkeiten, wie zum Beispiel:

    «mein Rucksack hat am Morgen richtung Zürich auch einen Sitz verdient»

    «die so genanten Militärdubels» und «Eishockey Fans» (sehr ähnliches Verhalten)

    «die ich stelle meinen Riesenkoffer nicht unter sondern in das Abteil»

    und so weiter….

    Was aber viele von ihnen gemeinsam haben ist die Angst in ein unerwartetes Gespräch zu kommen oder mit einer fremden Person Kontakt auf zu nehmen. So glotze ich, wenn ich teilweise Leute abzeichne im Zug, absichtlich so fest, dass diese auch merken das ich sie skizziere. Einige verhalten sich dann so anders, sind verängstigt oder schämen sich, dass mich das irgendwie amüsiert. Ich habe gerade beim schreiben gemerkt, dass ich ja vielleicht als «der glotzende Abzeichner» in die Pendlerschublade gesteckt werde.

    Was solls… ich denke jeder muss sich seine Zeit im Zug selber schmackhaft machen. Das wäre ja langweilig wenn alle nur den «Esser» machen würden.

Kommentare sind geschlossen.