Vom Wald zum Menschen und wieder zurück

Schon als Kind bin ich immer gerne mit meiner Grossmutter durch unsere Wälder gestreift, auf der Suche nach Pilzen, oder einfach so aus Freude zur Natur. Auch heute bin ich immer  noch oft im Wald unterwegs und geniesse die scheinbare Ruhe, welche dieser Ort beinhaltet. Der Wald ist eine willkommene Abwechslung zum grauen Stadtleben und er gibt einem das Gefühl näher an der Natur zu sein…

Bei genauerem hinschauen jedoch muss man erkennen, dass auch hier weit weniger Natur zu sehen ist als man vielleicht angenommen hat. Der Boden ist an vielen Stellen arm an Gebüschen oder sonstigen Pflanzen worin sich Tiere verstecken könnten. Weit und breit liegt kein abgestorbener Baum, welcher Mäusen oder Insekten als Lebensraum dient. An manchen Bäumen kann man Markierungen erkennen die davon zeugen, dass dieser Baum nicht mehr lange zu leben hat. Der Mensch nimmt sich was der Mensch braucht, und somit wird kaum einer der Bäume im „Industrie“-Wald mehr als achtzig Jahre alt..

 In der Schweiz beträgt die Waldfläche etwa 12’000 Quadratkilometer. Dies sind rund 30 % der Gesamtfläche der Schweiz.                                                                     

Völlig unberührte Urwälder, das heisst grossflächige Wälder, die ohne jegliche menschliche Eingriffe gewachsen sind, gibt es in Mitteleuropa keine mehr. Kleine Restbestände von ursprünglichem Wald findet man in der Schweiz nur noch an schwer zugänglichen Stellen. Der grösste geschützte Urwald der Schweiz ist der Fichten-Urwald Bödmerenwald im Kanton Schwyz. Seine Fläche beträgt gerade einmal 70 Hektare, dies sind umgerechnet 0,7 Quadratkilometer. Dieses kleine „unberührte“ Stück Natur gilt als extrem Artenreich und wertvoll.

Die eigentliche Lebensgrundlage eines solchen Waldes basiert auf Totholz. Abgestorbene oder umgefallene Bäume bilden die Perfekte Lebensgrundlage für Pflanzen, Pilze und Tiere. Im Bödmerenwald finden sich unter anderem 322 Pflanzen und 256 verschiedene Moosarten, was in der Schweiz einmalig ist.

Da ich seit meiner Kindheit in Solothurn lebe, liegt es mir am nächsten den von mir oft besuchten Stadtwald zu analysieren, um ihn mit einem Wald wie es der Bödmerenwald ist zu vergleichen.

Was einem gleich zu Beginn auffällt, ist die Tatsache, dass alle Bäume in einem bestimmten Bereich ungefähr die selbe Grösse haben. Der Boden wirkt im Vergleich zum Naturwald kahl und monoton. Die Ursache dafür könnte das fehlende Sonnenlicht am Boden sein, welches von den schnell wachsenden, für die Forstwirtschaft wichtigen Bäume in den oberen Regionen abgefangen wird. Dichtes Gebüsch findet sich nur an den Waldrändern in Form von wilden Brombeerstauden, welche jeglichen Platz für andere, sensiblere Pflanzen einnehmen. Der Boden im bewirtschafteten Wald scheint hart und festgestampft und bietet somit wenig nährstoffreiche Flächen, auf welchen Moose und Flechten entstehen könnten.

Auffällig ist auch, dass man fast in jede Richtung mehr als hundert Meter weit sehen kann, da die Bäume so angeordnet sind, wie es der Mensch will. Man erkennt schnell, dass hier gearbeitet wird. Am Boden finden sich Spuren von schweren Maschinen, welche dank der Anordnung der Bäume schnell ihren Arbeitsplatz erreichen.

Es ist offensichtlich, dass dieser Wald weit weniger Leben beinhaltet, als ein unberührter Naturwald, in welchem sich die Flora und Fauna mit der Zeit enispielen und somit die perfekte Grundlage für Leben entsteht. 

 Meiner Meinung nach, begnügen sich zu viele Leute mit einem vorherrschenden Zustand, ohne sich zu fragen was war vorher und noch wichtiger: Wie wird es in der Zukunft? Welche Möglichkeiten gibt es, unsere Missstände an den Wurzeln zu packen, die Utopie die wir träumen, zu verwirklichen? Es ist nur eine Frage der Organisation…

Das Gewohnheitstier Mensch scheint sich jeder Umweltveränderung anzupassen. Darwins „survival of the fittest“, heisst genau übersetzt „Überleben des Anpassungsfähigsten“, des Menschen grösste und wahrscheinlich auch einzige Stärke.

 Traurig, wenn man sich an Gewalt, Kriege, Ungerechtigkeit und Vernichtung gewöhnt.

Genau dies ist aber passiert, auf jeden Fall mir selbst, denn ich weiss nicht was mich im Moment auf der Welt noch wirklich schockieren soll, geschweige denn berühren könnte, und wenn ich das so schreibe, berührt es mich doch sehr…

 Natürlich gehe ich wieder viel zu weit, muss aber klar machen, dass alle täglichen Mechanismen, Eindrücke und Einflüsse zusammen Eins ergeben.

Wenn du also die ganze Sch****e von oben betrachtest, kommt man nicht darum, die Geschichte unserer frühen Vorfahren, aufzurollen. Der Tag an dem sich der Menschen Entschied sein Nomadentum aufzugeben und sich der Sesshaftigkeit zu verschreiben, ist ein düsterer.

  Der Mensch ging von nun an einen völlig neuen Weg: Anstatt von, und vor Allem mit der Natur zu leben, wie es jedes mir bekannte Lebewesen tut, musste die Umwelt jetzt unterjocht werden. Angefangen mit der Kontrolle des Feuers, des Bodens, Nutztiere, genetisch verbesserte Pflanzen, Strassen, Autos, Städte, Fabriken, Bomben… Alles hängt mit der Sesshaftigkeit und dem dadurch entstandenen Besitzanspruch zusammen. Wir haben angefangen ein Wertesystem zu errichten, das wir über alles Materielle stülpen und es scheinbar nur so zu schätzen lernen. Dabei gehört dem Menschen in Wahrheit nichts, Eigentum ist Diebstahl!

 Um beim Thema zu bleiben und das ganze abzurunden, stelle ich mir vor im Wald zu sein; ich spaziere durch das vertraute Land, rieche die Luft, das Moos und höre die Tiere sprechen, ein einziges biodynamisches Wunderland. Obwohl das alles nicht stimmt, finde ich es lobenswert, sich solchen Vorstellungen hinzugeben: die Natur suchen, mit ihr in Kontakt  treten, eine Einheit mit der Natur werden, unser Nomaden-Ich erwecken, das Urwesen Mensch, welches  immer in uns schlummern wird. Ich hoffe, dass sich alles zum gute wenden wird, jedoch 2000, 3000 Jahre sind nicht so einfach wegzuwischen.

 Somit kann ich nur noch sagen, dass ich an das Gute im Hund glaube und nicht im Menschen, und dass die Erde auch Eva und Adam irgendeinmal los wird und sich ihre Lungen wieder mit frischer Luft füllen wird…

2 Gedanken zu „Vom Wald zum Menschen und wieder zurück“

  1. Interesante Gedankengänge Tobias! 😉

    In unserer Generation ist es schwierig nachzuvollziehen wie radikal und einschneidend, die Industrialisierung unsere Umgebung verändert hat.
    Fliessende Gewässer sind grösstenteils eingebettet, in Betont und stahl gedrängt. Die Aue, der Übergang zwischen Fluss und Wald ging dadurch verloren und mit ihr, ihre reichhaltige Artenvielfalt. An ihre Stelle trat die graue Fassade der Zivilisation.
    Grosse teile des Mitteilendes waren vor wenigen Generationen noch Sumpfgebiet. Mittels Drainagen wurden diese trocken gelegt um die Gebiete Industriell zu nutzen. Sümpfe und Moore sind nicht nur Lebensraum für viele Arten, es sind auch Trinkwasserspeicher. Diese gingen unwiederbringlich verloren, da es nahezu unmöglich ist einen Sumpf oder ein Moor künstlich zu schaffen.
    Die industrielle Nutzung des Waldes nach Tobias.
    Dazu kommt die Landwirtschaft mit Monokulturen, die zusammen mit den eingeschleppten Neophyten die einheimischen Pflanzenwelt ausradieren.
    Die Natur ist aufgrund dieser und anderer Uraschen um etwa 70% geschrumpft. Ich find das scheisse!

  2. Ich auch!

    Ich kann mich da Sebastian nur anschliessen, möchte noch hinzufügen dass es mit den Weltmeeren auch nicht besser ist, oder habt ihr etwa gewusst dass 80% der weltweiten Fischbestände ausgefischt sind?

    Ansonsten ist der Artikerl interessant und/oder lesenswert.

    Vielen Dank

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