Zöliakie, eine soziale Einschränkung

Der Nahrungskreislauf und eine gesunde Ernährung sind Bereiche in der heutigen Zeit, die immer wichtiger werden. Dies wird jedoch gerade durch die Veränderungen und Vermischungen der Nahrungsmittel für Allergiker immer schwieriger. Sie können dabei kaum noch den Überblick behalten. Dafür gibt es heutzutage umso mehr kleine Kaffees, welche sich auf Zöliakie spezialisiert haben und nur glutenfreie Produkte verkaufen.

Die Betroffenheit einer Kollegin von mir, hat mich dazu veranlasst diesen Blog zu schreiben. Tagtäglich sehe ich, wie es ihr mal mehr und mal weniger gut damit geht. Das meine ich nicht gesundheitlich sondern eher psychisch.
Besonders an unserem Mittagstisch im Atelier in der Schule ist dies immer besonders auffällig. Es gibt Tage, da merkt man überhaupt nichts von ihrer Unverträglichkeit. Aber an anderen Tagen, wenn sie diese Glutenunverträglichkeit wohl langsam wirklich satt hat, nimmt sie sich mit Aussagen wie «Soll ich wohl jetzt einfach ein Gipfeli essen? » selbst auf die Schippe. Die Neugierde nur mal zu wissen, wie denn so ein Gipfeli schmeckt, muss nach fast 20 Jahren wohl sehr gross sein. Ich finde es gut nachvollziehbar, dass jemand nach so langer Zeit mit dem Gedanken spielt, wirklich eines zu essen und dabei fast vergisst, wie es ihm danach gehen würde. Da bin ich umso froher, dass in den Sätzen meiner Kollegin die Ironie, welche darin liegt, noch gut zu spüren ist und ihr diese Aussagen wohl einfach helfen, besser damit umzugehen.
Man sollte sich und das Leben ja schliesslich nicht zu ernst nehmen!
Ich hoffe, dass ihr ihre Vorstellung vom Geschmack eines Gipfelis so sehr ausreicht, wie der Gedanke daran, wie schlecht es ihr danach gehen würde, sie davon abhält es wirklich zu essen.

 

Für alle, die noch nicht wissen was Zöliakie ist, hier eine kurze Zusammenfassung:
Dermatitis herpetiformis Duhring – Zöliakie ist eine Glutenunverträglichkeit des Dünndarms.
Gluten sind Proteine, auch Klebereiweisse genannt, welche Bestandteile folgender Produkte sind: Weizen, Roggen, Gersten, Dinkel, Hafer, Emmer, Einkorn, Kamut und Grünkern.

Der Dünndarm ist für die Nährstoffaufnahmen der Nahrung zuständig. Die Darmzotten bilden sich aus den vielen Falten der Dünndarmoberfläche, welche die Aufnahmefläche bilden. Wenn der Darm in Folge der Autoimmunreaktion gereizt und entzündet ist, so sterben die Zotten ab und die Aufnahme von Nährstoffen ist nicht mehr ausreichend.
Bei Betroffenen wird bereits durch die Einnahme kleinster Mengen die Dünndarmschleimhaut massiv geschädigt. Dies führt zur verminderten Nährstoffaufnahme und folglich zur Unterversorgung des Körpers.

Zöliakie ist eine Erbkrankheit, die jedoch nicht zwingend von Generation zu Generation weitergegeben wird. Es kann beispielsweise durch einen an Diabetes erkrankten Vorfahren vererbt werden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Unverträglichkeit kann durch ein einschneidendes Erlebnis, oder durch körperlichen Stress bei Personen welche Träger sind, ausbrechen.

Grundsätzlich sind die auftretenden Symptome nicht sofort auf Zöliakie zurückzuführen. Oft wird die Unverträglichkeit sehr spät diagnostiziert. Viele Betroffene haben schon etliche Arztbesuche hinter sich, bis endlich die richtige Diagnose vorliegt.
Bei Verdacht auf Zöliakie kann eine Blutuntersuchung gemacht werden. Fällt diese negativ aus, schliesst es die Allergie bei den Untersuchten trotzdem nicht aus. Weitere Untersuchungen werden dann nicht mehr durchgeführt, was wiederum bedeutet, dass die anfallenden Kosten einer Darmspiegelung von der Krankenkasse nicht getragen werden.

Habt ihr Personen in eurer Familie welche unter Zöliakie leiden oder seid ihr sogar selber davon betroffen? Ich weiss nicht wie es euch als Passiv-Betroffene dabei geht, aber ich freue mich immer mit meiner Kollegin mit, wenn sie wieder ein Lebensmittel für sich entdeckt, welches sie essen kann.

Ich habe selber vor zirka einem Jahr einen 3-wöchigen Versuch gemacht. Dabei ging es darum, wie eine erwachsene Person mit der plötzlichen Diagnose von Zöliakie umgeht. Und in der Tat, es ist nicht einfach, sich in der ganzen Vielfalt der Nahrungsmittel zurechtzufinden. Ich griff deshalb in der ersten Woche oft auf das gleiche zurück. Als ich dann angefangen habe mich besser zu informieren und mir angewöhnt hatte, immer die Inhaltsangabe zu lesen, habe ich auch immer mehr Produkte entdeckt, welche ich essen konnte. Deshalb kann ich diese Freude von meiner Kollegin gut nachvollziehen. Man freut sich wie ein kleines Kind, welches das Osterkörbchen gefunden hat.
Kennt ihr glutenfreie Restaurants oder Kaffees und wollt diese anderen empfehlen?
Teilt eure Erfahrungen und Tipps in Bezug auf Zöliakie in den Kommentaren und tauscht euch mit anderen Betroffenen und Passiv-Betroffenen darüber aus.

nadine.weyeneth@bluewin.ch'

Nadine

Bekleidungsgestalterin 2011-2014 GBM 2014-

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Ein Gedanke zu „Zöliakie, eine soziale Einschränkung“

  1. Das Leben als Betroffene ist eigentlich kein Problem. Das Angebot an Alternativprodukten hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Eine Genugtuung für mich.

    Wie du festgestellt hast fällt es mir jedoch in gewissen Situationen schwer zu verzichten. Noch mühsamer als ein Mittagstisch, ist das Essen in Restaurants. Die Auswahl fällt aufgrund mangelndem Wissen der Köche, oft mager aus.

    Die Ig Zöliakie steht für Aufklärung in der Gastronomie. Ebenfalls haben sie tolle Restauranttipps.

    http://www.zoeliakie.ch/index.php/restaurants-hotels

    Du hast mich mit der Durführung des Versuches beeindruckt. Freiwillig würde ich das keine 3 Wochen machen.

    Auf gemeinsames entdecken und freuen!

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