Zu viel Fisch auf dem Tisch

Jeder isst gerne ein saftiges Lachsfilet, Garnelen oder auch Thunfisch. Schliesslich ist es gesund, kalorienarm und reich an OMEGA 3- Fettsäuren. Doch das übermässige Angebot an Fisch und Meeresfrüchten, welches man in den Läden und Restaurants sieht, täuscht. Denn die Weltmeere sind in ihren Beständen längst erschöpft und können die Nachfrage der Konsumenten längst nicht mehr decken.

Problematik der Überfischung

Die Bewohner unserer Weltmeere sind bedroht. Der Bestand schrumpft, weil zu viele Tiere dem Meer entnommen werden und die Artenbestände nicht genügend Zeit zur Regeneration haben. Das Ökosystem verändert sich.  Genaue Zahlen können nicht genannt werden. Einerseits ist der Bestand schwer zu untersuchen, andererseits wird illegal gefischt. Ungefähr 60% des weltweiten Fischbestandes sind bereits geschwächt oder schon überfischt, berichtet die Welternährungsorganisation (FAO).

Fakt ist: Jeden Tag werden mehrere Tonnen Fisch, Krustentiere und Meeresfrüchte systematisch durch hoch gerüstete Fangflotten gefangen, getötet und dann an den Markt weiterverkauft.

Das Ausmass der Überfischung hat in den letzten 50 Jahren drastisch zugenommen. Durch die weltweite Globalisierung kann jeder Fisch überall auf der Welt verfrachtet und verkauft werden. Die Nachfrage der Konsumenten steigt. Ebenso haben sich die Fangmethoden und -mittel weiterentwickelt. Durch den technischen Fortschritt wurde die Fischerei effizienter, die Schiffe wurden grösser und die Verarbeitung des Fangs findet direkt auf der Fangflotte statt. Mittels Treibnetzen, Langleinen, Schleppnetzen etc. wird gefangen, was hängen bleibt. Dadurch geraten Unmengen an Meeressäugern, wie Robben, Wale, Delphine, Haie oder auch Schildkröten in die Fallen der Jäger und werden anschliessend als tote Körper ins Meer zurückgeworfen oder „entsorgt“. Nach Angaben der FAO gibt es 20 Mio. Tonnen Beifang pro Jahr. Fangmethoden, wie beispielsweise das Dredge, welches den Meeresboden wie ein Pflug umwälzt und den ganzen Meeresgrund mit sich reisst, richten grossen Schaden an. Muscheln, Weichtiere und Seeigel sind die Zielgruppen. Beifang, wie Jungfische und Korallen, wird getötet.

Nebst dem Wildfang  werden Zuchtbetriebe, so genannte Aquakulturen, geführt. Doch auch diese Tiere werden mit Nahrung aus dem Meer gefüttert. Damit wären wir wieder beim ursprünglichen Problem. Pro Kilogramm gezüchteter Fische und Kurstentiere werden schätzungsweise insgesamt vier Kilogramm Fisch aus Wildfang verfüttert.

Die politische Verantwortung der EU bezüglich der Überfischung liegt im Rahmen der Gemeinsamen Fischerpolitik (GFP). Unter Beratung des internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) entscheidet die GFP, wieviel Fisch dem Meer entnommen werden darf. Allerdings war die zugelassene Fangquote der GFP in den letzten 10 Jahren durchschnittlich 41% höher, als die ICES geraten hatte.

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Abb. 1: Weltweite Fischproduktion im Jahr 2013

Weltweit betreibt China mit 39% am meisten Wildfischerei und Aquakulturen. Der riesige Industriestaat ist mit grossem Abstand auf Platz 1 und produzierte im Jahr 2013 insgesamt rund 74 Mio. Tonnen Fisch, Krustentiere etc.

Cabo Pulmo

Eine der wirksamsten Methoden, der Überfischung entgegenzuwirken, sind verschiedene Orte, an denen der Lebensraum der Meereslebewesen gezielt geschützt wird. Dies geschieht über Verbote der Fischerei, nachhaltiges Verhalten der Einheimischen und Touristen, etc. Einer dieser Orte ist Cabo Pulmo:

Cabo Pulmo ist eine kleine Stadt am südlichsten Ende der Baja California, einer schmalen, langgezogenen Halbinsel im Westen Mexikos mit über 1200 Kilometern Länge.

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Abb. 2: Lage Cabo Pulmo

Cabo Pulmo beherbergt die größten lebenden Korallenriffe auf der pazifischen Seite Nordamerikas und verfügt über eine beispiellose Artenvielfalt. Die Stadt besteht aus nicht mehr als einigen schlichten Unterkünften, Restaurants und Tauchschulen.

Einst ein kleines Fischerdorf, das die Bewohner reichlich mit seinem Fisch nährte, bis sich der Ruf für seine wohlhabenden Gewässer herumsprach. Seit da kamen die Fischer mit ihren Netzen und beuteten den Ort aus. 1980 wurde das Riff fast leergefischt. Nach viel Druck seitens der Bewohner wurden die 7.111 Hektar und die Gewässer rund um Cabo Pulmo am 15. Juni 1995 von Präsident Zedillo Ponce de Leon zum National Marine Park erklärt.

Sylvia Earle, Ozeanografin und Umweltaktivistin, wählte diesen Ort und 200 andere durch ihre Stiftung Mission Blue als ‚Hope Spots‘ aus. Diese ‚Hope Spots‘ sind geschützte Gebiete, die florieren, sich erholen und somit als Hoffnungsträger für den Rest der Meere dienen.

Cabo Pulmo National Marine Park

Der Cabo Pulmo Park erstreckt sich vom Pulmo Point bis Los Frailes. Die für lange Zeit ungeschützten Strände von Cabo Pulmo bilden eine flache Bucht mit einer Umgebung aus traumhaften Bergketten und Wüstenlandschaften. Ein Besuchermagnet ist der Park auf jeden Fall. Mit seinem klaren Wasser und dem harten Korallenriff, das für über 800 verschiedene Arten von Meerestieren ein sicheres Zuhause ist. Das Riff ist rund 20.000 Jahre alt und somit eines der ältesten im amerikanischen Pazifik. Zudem bietet der Park hervorragende Wassersportmöglichkeiten, wie Kajak fahren, Tauchen oder Schnorcheln. Aber auch weniger sportliche Tätigkeiten, wie Besichtigungen von Seelöwenkolonien oder Walen, sind sehr beliebt.

Durch den kommerziellen Fischfang und die Ignoranz vieler Besucher musste der Park viel Druck aushalten, vor allem in den letzten 10 Jahren. Seitdem die Fischerei in den 80er Jahren verboten wurde, hat sich die Biomasse der Fische vervierfacht. Mit diesem Wandel hat sich auch die Quelle des Einkommens der Einheimischen geändert, von der Überfischung zum Ökotourismus.

Obwohl der Wandel sich in eine positive Richtung bewegt, bleiben gesetzliche Durchsetzungen und finanzielle Unterstützung knapp. Nichtsdestotrotz arbeiten die rund 113 Bewohner, der vom La Comisión Nacional de Áreas Naturales Protegidas (CONANP) ernannte Parkdirektor Carlos Narro sowie nationale und internationale Naturschutzgruppen gemeinsam, um das Schmuckstück Cabo Pulmo weiterhin am Leben zu erhalten.

Lösungsvorschläge gegen die Überfischung

Der stetig steigende Fischkonsum steht in einem harten Kontrast zu den stark abnehmenden Fischbeständen der Weltmeere. Würden wir so weitermachen, würden die meisten Fischbestände in den nächsten Jahrzehnten zusammenbrechen, oder sogar aussterben. Durch das Verschwinden einiger Fischarten werden die Nahrungskette und das Ökosystem durcheinandergebracht. Das Gleichgewicht unterhalb der Meeresoberfläche wird zerstört.

Um diese verheerenden Auswirkungen abzuwehren oder zumindest abzuschwächen gibt es diverse Lösungsvorschläge:

Aquakulturen

Der Zuwachs von Aquakulturen steigt seit einigen Jahren stark. Zurzeit liegt der Anteil der Fische aus Aquakulturen bei einem Drittel und diese Zahl wird laut FAO (Food and Agricultural Organization) weiter steigen. Diese künstlichen Zuchtsysteme ermöglichen eine gezielte und kontrollierte Fischproduktion. Der Grundgedanke dahinter war, durch die Zucht den überstrapazierten Wildfang zu entlasten.

Was sich gut anhört, weist allerdings einige Probleme auf, wenn man genauer hinschaut. Ein Teil der Problematik liegt bei der Haltung der Fische. Ihnen mangelt es an genügend Auslauf und Schattenplätzen. Sie werden aggressiv und gestresst; bekämpfen, verletzen und fressen sich sogar gegenseitig auf. Zudem sind sie anfälliger auf Krankheiten und erhalten deshalb Chemikalien und Antibiotika, die wir zwangsläufig auch mitkonsumieren, wenn wir Fisch essen.

Das Hauptproblem der Aquakulturen jedoch ist die Fütterung der Tiere. Die Zuchtfische benötigen Eiweiß, den sie aus Fisch erhalten. Und dieser Fisch, der ihnen als Nahrung dient, stammt aus dem Meer.  Somit wird auch durch die Aquakulturen der Fischfang im Meer und somit die Überfischung unterstützt. Dies gilt übrigens auch für sogenannte Bio-Fische, da diese ebenfalls aus Aquakulturen stammen.

Nachhaltiges Fischen

Da das System der Aquakulturen eher kontraproduktiv ist, ist der Konsum von Wildfängen doch sinnvoller. Man sollte dabei darauf achten, dass der Fisch nachhaltig gefischt wurde. Darunter versteht man, dass nicht mehr Fisch gefangen wird, als wieder auf natürlichem Weg nachkommt. Der Fischfang wird somit auf Mengen reduziert, bei denen sich die Bestände von alleine wieder regulieren.

Die Marine Stewardship Council (MSC) ist eine Zertifizierungs-organisation, die die nachhaltige Fischerei überwacht. Ca. 7 Prozent der Fischerei beteiligen sich an dieser Organisation. Jährlich entspricht dies ca. 6 Millionen Fisch. Es steht außer Zweifel, dass MSC einen großen Beitrag zur Schonung der Fischbestände leistet.

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Abb. 3: MSC-zertifizierter Fisch auf dem Markt

Überfischungsabkommen

Nicht alle Fischarten und Orte sind gleich stark von der Überfischung betroffen. Mittels Überfischungsabkommen kann das Problem eingegrenzt werden, indem man einige Zonen als Fangschutzzonen deklariert, oder Fangquoten für bestimmte Fischarten festlegt. Somit gibt es Orte, an denen Fischfang nur teils erlaubt oder ganz verboten ist, womit stark betroffene Fischarten geschont werden. Damit die Nachhaltigkeit der Fischerei besser umgesetzt werden kann, müssen somit auch die Fischer stärker miteinbezogen werden. Mit Fischereiabkommen wird zum einen für das Wohl der Tiere und deren Bestände gesorgt, zum anderen für das der Fischer.

Bewusstes Konsumieren

Jeder Einzelne von uns kann dazu beitragen, der Überfischung entgegenzuwirken. Bewerkstelligen kann man dies durch bewussteres Konsumieren. Dazu gehört:

  • Nachhaltigen, durch Siegel gekennzeichneten Fisch kaufen
  • Nur bestimmte, weniger betroffene Fischarten kaufen
  • Höchstens einmal monatlich Fisch konsumieren

Das Problem beim Kauf von weniger betroffener Fischarten liegt allerdings darin, dass sich dann diese Bestände erschöpfen werden und man somit wieder auf andere Arten wechseln muss. Daraus entsteht ein Teufelskreis, der nicht wirklich zu einer Lösung des Problems führt.

Die einzige wirklich effiziente Lösung wäre schlicht und einfach das Verzichten auf den Konsum von Fisch und Fischprodukten.

Autoren:

Naomi Hosner, Imane Benabdesselam, Laura Zurmühle

Quellenangaben:

Literaturverzeichnis:

  1. September

Bild- und Videoverzeichnis:

  1. September